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1. VMLL-Workshop für 120 kg-Konstrukteure

Veröffentlicht am 11. Januar 2014
Zugriffe: 11562

UL-Segelflug.de/Bild/TC/Konstrukteur-Seminar1-1-Nov2012_VMLL_Wuerzburg.jpgFür die noch eher seltene Spezies der "120 kg-Amateur-Flugzeugkonstrukteure" (nicht zu verwechseln mit Amateur-Flugzeugbauern) gab es im November 2013 ein besonderes Seminar- bzw. Workshop-Angebot, das bisher einzigartig ist. Hierzu hatte der VMLL (Verband zur Förderung der motorisierten leichten Luftsportgeräte e.V.) seine Mitglieder vom 15. - 17. November 2013 nach Würzburg eingeladen; 20 Neu- und Jungkonstrukteure waren der Einladung zum 1. VMLL Amateur-Konstrukteurs-Workshop spontan gefolgt.

Eröffnet wurde der Workshop am Freitagabend beim gemeinsamen Abendessen, bei dem sich die meisten Teilnehmer zum ersten Mal persönlich begegnet sind. Richtig los ging es dann zeitig am Samstagmorgen wo die Teilnehmer auch erstmals den von Hans-Peter Schneider mitgebrachten "Song" aus der Nähe betrachten konnten, der nach dem ULI-NG von Weller-Flugzeugbau bereits als zweites 120kg- Flugzeug in Deutschland abheben kann.

Dass es so viele 120 kg-Konstrukteure bei uns in Deutschland gibt, darüber waren die Initiatoren selbst überrascht. Für VMLL-Mitglieder war die Seminar-Teilnahme kostenlos, abgesehen von einem kleinen Unkostenbeitrag für die eigens erstellten Seminarunterlagen. Kosten für An- und Rückreise, Unterkunft und Verpflegung mussten selbstverständlich von den Teilnehmern getragen waren.

UL-Segelflug.de/Bild/GT/VMLL-Konstrukteur-Seminar-2012_1-3.jpg

Unter dem Motto "Träumen-Planen-Bauen-Fliegen", wurde auf UL-Segelflug.de bereits früher schon einmal ein Blog veröffentlicht, der an die Adresse von Amateur-Flugzeug-Selbstbauern aller Luftfahrzeug-Kategorien gerichtet war, die ihre Fluggeräte jedoch meist nach Bauplan oder mittels eines Kits zusammen bauen.

Seit Inkrafttreten der LTF-L im Frühjahr 2012 ist auf dem 120 kg-Sektor jedoch nicht nur das Interesse für den Amateurbau stark gestiegen, sondern auch das Interesse für die Eigenkonstruktion. Dass man dabei fatale Fehler machen kann, die das Abheben am Ende vielleicht verhindern könnten und wie man bei richtiger Herangehensweise Planungs- und Konstruktionsfehler vermeidet, das waren die zentralen Botschaften des kompetenten Referententeams, die den zwanzig Teilnehmern bei diesem 1. Workshop ausführlich und verständlich vermittelt worden sind.

UL-Segelflug.de/Bild/DT/VMLL-Konstrukteur-Seminar-2012_1-3.jpgDipl.-Ing. Hans-Peter Schneider eröffnete den 1. VMLL Konstrukteurs-Workshop mit einem Vortrag über die Lastannahmen und wie die Berechnungen für die spätere Musterprüfung durchzuführen sind. In seinen Ausführungen hat er den Teilnehmern verdeutlicht, wie der Weg von der ersten Idee bis zur endgültigen Baufertigstellung sein kann, um auch die letzte Hürde der Musterprüfung zu bestehen. Aufkommende Fragen wurden dabei nicht nur mit kompetentem Fachwissen, sondern auch mit sehr viel Geduld des Referenten bis ins Detail beantwortet.
Vor der Mittagspause erläuterte Dieter Braun, VMLL-Referent für Technik und Innovation, wo und wie Konstrukteure zur Bewältigung ihres Vorhabens finanzielle Hilfen beantragen bzw. in Anspruch nehmen können. Ein interessanter Aspekt, denn neben Fachwissen und Durchhaltewillen sind nicht nur Investitionen in Form von viel, viel Zeit, sondern teilweise auch enorme finanzielle Investitionen erforderlich, je nach dem, wie das Endprodukt der Konstruktions-Idee einmal aussehen soll.

Nach dem Mittagessen und einem kurzen Rundgang zu Verdauungszwecken durch die Würzburger Altstadt, stand das Thema "Lastverteilung an einem Flugzeug" auf dem Programm. Dass bei den Teilnehmern im Laufe des Tages keine Langeweile aufgekommen war, zeigten die angeregten "Fachsimpeleien" und Diskussionen", die bis lange nach Sonnenuntergang bzw. bis spät abends in Gruppen weiter anhielten.

Der zweite Tag begann bereits recht früh im Hörsaal der Fachhochschule Würzburg, wo zur geistigen Aufwärmung Peter Schneider das kostenlose Berechnungsprogramm "JavaFoil" vorstellte. JavaFoil ist ein sehr gutes Programm, das von Dr. Martin Hepperle zur Berechnung von Profilen entwickelt worden ist. Nach eigenen Angaben auf der Website von MH AeroTools handelt es sich bei JavaFoil aber um ein relativ einfach zu bedienendes Programm, weshalb es von Peter Schneider den Teilnehmern auch vorgestellt und empfohlen worden ist.

UL-Segelflug.de/Bild/DT/VMLL-Konstrukteur-Seminar-2013_1-4.jpgIm nächsten Schritt kamen die 120 kg-Konstrukteure zu Wort, in dem sie ihre Ideen oder konkreten Projekte selbst vorstellen bzw. erläutern konnten. Einige Teilnehmer hatten hierzu Unterlagen zu bereits bestehenden oder sich im Werden befindliche Projekte mitgebracht. Mit seinem 2-Zylinder-Boxermotor, dem HB 1300, hatte Jürgen Hylla bereits Vorzeigbares im Gepäck bzw. Kofferraum. Hylla´s HB 1300 hat mit ca. 30 kg eine Leistung von ca. 55 PS.

UL-Segelflug.de/Bild/DT/VMLL-Konstrukteur-Seminar-2013_1-8.jpgFür Aufsehen sorgte auch Dr. Andrés Chavarría-Krauser, der bereits seit einiger Zeit an einem 120 kg-Nurflügel nach Horten-Vorbild arbeitet und derzeit mittels ferngesteuertem Großmodell im Maßstab 1:4 bereits Flugversuche durchführt. Während die Bauausführung zuvor komplett in Holzbauweise geplant war, hat sich Andrés nach dem Workshop nun doch für einen Bau in (teilweise) CFK entschieden, um hierüber etwas Gewicht zu sparen, das dann den Einbau eines E-Antriebs ermöglichen soll. Über das Horten-Projekt von Andrés, mit dem ich seit einiger Zeit in Verbindung stehe und das Projekt schon länger mit Interesse "begleite", wird es in Kürze auf UL-Segelflug.de eine ausführliche Projektvorstellung geben. Andrés hat sich zum 1. VMLL Konstrukteurs-Workshop sehr lobend  geäußert, Zitat: "Das in Würzburg war super und hat neuen Schwung und Ideen gegeben. Ich sehe momentan einen Elektroantrieb vor, weshalb ich die Struktur mehr in CFK machen muss als beim Segler (in reiner Holzbauweise)".

UL-Segelflug.de/Bild/DT/VMLL-Konstrukteur-Seminar-2013_1-3.jpgAusschlaggebend für die Umorientierung von Andrés, vom reinen "Holz-Segler" auf CFK und E-Motorisierung umzuschwenken, dürfte u.a. ein interessanter Exkurs von Prof. Walter Baur von der FH Würzburg gewesen sein, der über das Thema "kohlenstofffaserverstärkte Kunststoffe (CFK) und deren Festigkeiten" referierte. Für einen Großteil der Teilnehmer war es überaus interessant zu erfahren, wie leicht man diesen hervorragenden Baustoff ohne die erforderliche Fachkenntnis auch "falsch einsetzen" kann. Von der Statik bis zur fachgerechten Verarbeitung des Materials wurde alles ausführlich erläutert. Den Teilnehmern konnte dabei deutlich gemacht werden, dass beim "durchdachten Einsatz von CFK" auch mit einfachen Mitteln ein sehr leichtes und gleichzeitig stabiles Fluggerät entwickelt und gebaut werden kann.

UL-Segelflug.de/Bild/DT/VMLL-Konstrukteur-Seminar-2013_1-6.jpgAbgerundet wurde der Vortrag von Prof. Baur mit einem Ausflug zu Christian Gemperlein (4. v. l.), einem seiner ehemaligen Studenten, der nach seinem Studium in Veitshöchheim "bike ahead composites GmbH" gründete, in der Hightech Carbon-Räder (CFK-Fahrradfelgen) hergestellt werden. Gefertigt werden die Hightech-Fahrradelgen aus hochwertigen Kohlefaser Prepregs, die computergesteuert zugeschnitten, in Formen gelegt und beim Höhepunkt des Herstellungsprozesses im Autoklaven unter Vakuum und Hitzezuführung ausgehärtet werden. Hierbei handelt es sich um ein besonderes Fertigungsverfahren, wie es u. a. in der Formel 1 sowie in der Luft- und Raumfahrttechnik angewendet wird. Der SparrowHawk von Greg Cole lässt grüßen!

Weitere 120 kg-Projekte in Vorbereitung für die Musterprüfung sind derzeit der Aerolight 120, der dem Aerolight 103 entspringt und in den USA gem. FAR-Part 103 betrieben werden kann. Den notwendigen Berechnungen und Änderungen, um den Aerolight 103 in Deutschland für den Importeur "Vierwerk GmbH" nach LTF-L musterprüfen zu können, widmet sich derzeit Ronny Wittkop. Nach erfolgreicher Musterprüfung wird so aus dem Aerolight 103 dann der Aerolight 120.

Jörn Hendrich (2. Vorsitzender des VMLL) hat es sich zur Aufgabe gemacht, den von Francesco di Martino (Italien) konstruierten Zigolo MG 12 bei der Musterprüfung nach LTF-L zu betreuen. Beim Zigolo MG 12 handelt es sich um einen in Italien gebauten einfachen Motorsegler nach dem Vorbild der "Sandlin-Gliders", der entsprechend der englischen Bauvorschriften SSDR (Single Seat De-Regulated) gebaut und betrieben werden kann. Da die LTF-L gegenüber der SSDR ausführlicher und in einigen Punkten einschränkender ist, bedarf es für die Musterprüfung gem. LTF-L allerdings noch ein paar Änderungen, bevor auch bei uns der erste Zigolo geprüft und geflogen werden kann.

Zum Schluss wurde der Song gemeinsam abgebaut und auf dem Transportanhänger verstaut. Während den meisten Teilnehmern der Song bereits aus der Fachpresse oder von der Aero-Friedrichshafen bekannt war, konnten sie bei dieser Gelegenheit nun auch erstmals die Einzelteile in die Hand nehmen und erfahren, wie sich ein Tragflügel aus Kohlefaser mit einem Gewicht von nur 12,5 kg "anfühlt".

UL-Segelflug.de/Bild/GT/VMLL-Konstrukteur-Seminar-2012_1-2.jpg

Die Zeit ist wie im Fluge vergangen, wobei sich die Teilnehmer nicht nur mit wichtigen Erkenntnisse für ihre persönlichen Vorhaben, sondern auch mit einem großen Stapel Unterlagen und Berechnungsdateien auf den Nachhauseweg machen konnten.

Nach Abschluss des 1. VMLL Konstrukteurs-Workshops war für alle Beteiligte klar, dass es einen Nachfolge-Workshop geben muss, der (voraussichtlich) für März in Planung ist und zu dessen Durchführung sich Peter Schneider und Walter Baur spontan bereiterklärt haben.

Auch dem Folge-Workshop wünscht UL-Segelflug.de ein gutes Gelingen. Und natürlich werden wir zu gegebener Zeit auch darüber berichten.

Kommentare   

 
#1 Andrés 2014-01-13 10:44
Schöner Bericht!
 

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