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Blick über den Tellerrand - Faszination Gyrokopter

Veröffentlicht am 24. Oktober 2014
Zugriffe: 4998

UL-Segelflug.de/images/TC/Thomas_im_Cavalon_7202.jpgDie Faszination für den UL-Segelflug oder eine andere Luftsportart sollte uns nicht davon abhalten, gelegentlich auch über den eigenen Tellerrand hinaus zu blicken. Hierzu gehört natürlich auch, dass man anderen Luftsportarten unvoreingenommen begegnet und die Begeisterung anderer Piloten für ihre Art der Fliegerei akzeptiert. Getreu dem Motto: "Zeig mir mal, was dich an deiner Art des Luftsports fasziniert", habe ich während unseres Urlaubs in Bad Füssing einmal einen Flug im Gyrokopter unternommen.

Als Techniker hat mich die Bau- und Funktionsweise der Tragschrauber schon immer fasziniert und natürlich hat es mich auch schon immer "gejuckt", diese besondere Art von Ultraleicht-Luftsportgerät einmal selber auszuprobieren. Die Gelegenheit dazu kam völlig unverhofft, nachdem sich mein Sohn Thomas den Luxus eines eigenen Gyrokopters gegönnt und sich einen Cavalon mit Rotax 914 UL-Turbo des Weltmarktführers AutoGyro angeschafft hat.

Obwohl es sich beim UL-Tragschrauber um eine noch relativ junge Luftsportgeräte-Variante handelt, begann die Geschichte des Tragschraubers bereits am 09. Januar 1923. An diesem Tag beeindruckte der Erfinder der ungewöhnlichen Technik, Juan de la Cierva, mit seinem "Autogiro" das spanische Militär. Damals wie heute sorgt der Antriebsmotor für die Vorwärtsbewegung, während der Rotor nach wie vor ausschließlich mit Hilfe des Fahrtwindes angetrieben wird und durch die Autorotation für den Auftrieb sorgt. Durch das Autorotationsprinzip verliert der Gyrocopter selbst bei Motorausfall nur langsam an Höhe und kann somit kontrolliert gelandet werden. Obwohl sich am Technik-Prinzip des Tragschraubers grundsätzlich nichts geändert hat, handelt es sich bei den Tragschraubern der heutigen Generation um Hightech-Fluggeräte, die keine Wünsche offen lassen.

UL-Segelflug.de/images/GT/Gyrocopter-Cavalon_Thomas_mit_Baily_7143.jpg

Der Cavalon ist ein Tragschrauber mit Dreibeinfahrwerk, das Hauptfahrwerk ist gefedert und mit hydraulischen Scheibenbremsen bestückt. Der formschnittige Rumpf sowie das Seitenruder und die Leitwerke sind in GFK/CFK-Bauweise gefertigt, der zweiblättrige Rotor besteht aus Aluminium Strangpressprofilen.

Beim Triebwerk kann unter zwei Varianten gewählt werden, dem ROTAX 912 ULS mit 100 PS und dem Rotax 914 UL Turbo mit 115 PS. Die höchstzulässige Abflugmasse (MTOW) liegt bei 500 kg. Auf Grund der Leermasse von 250 kg verbleibt somit eine maximale Zuladung von 250 kg. Das Tankvolumen beträgt 100 ltr, das nachgewiesene Lastvielfache liegt bei +3/-1 g.

Wie bei konventionellen Hubschraubern ist auch beim Tragschrauber in Side-by-Side Sitzanordnung der rechte Sitz der des PIC.

Da wir für zwei Wochen zum Thermalurlaub in Bad Füssing waren, hatte sich Thomas zum Kurzbesuch per Gyrokopter bei uns angemeldet. Treffpunkt war der Flugplatz Passau/Fürstenzell, ein Sonderlandeplatz mit PPR. Leider waren Wetter und  Lichtverhältnisse an diesem Tag aus "fotografischer Sicht" nicht optimal, aber schließlich stand die Idee des Familientreffens und ein Rundflug mit dem Gyrokopter im Vordergrund.

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Nach einem Outside-Check und Passagierwechsel (Schäferhündin Beli gegen Vaddern) sowie einer Einweisung in die Besonderheiten eines Gyrokopters im Vergleich zum Flächenflugzeug, wurde der Motor gestartet und zum Startpunkt 16 gerollt. Die Asphaltbahn des Flugplatzes Passau/Fürstenzell ist auf beiden Seiten hindernisfrei und mit einer Länge von 485 m mehr als ausreichend lang für Start und Landung, schließlich beträgt die Startrollstrecke bei MTOW von 500 kg lediglich 80 - 120 m.

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Nach Checkliste und Zuschaltung des Rotorantriebs für die Grundbeschleunigung ging es auch schon los. Ungewöhnlich für mich als reiner Flächenflieger, dass von Anfang an der Steuerknüppel voll durchgezogen werden muss. Damit wird der zweiblättrige Rotor maximal schräg gestellt, um vom Fahrtwind weiter beschleunigt zu werden. Das rückwärtig angebaute 115 PS-Triebwerk verleiht dem Cavalon bei Startleistung eine äußerst rasante Beschleunigung, wie man es z. B. von einer Dynamic, FK9 usw. als UL-Flieger gewohnt ist. Nach ca. 50 - 80 m hebt der Cavalon samtweich von der Piste ab und steigt mit 3,5 m/s in den Himmel.

Unser Rundflug führt uns von Fürstenzell in südwestlicher Richtung zuerst nach Bad Füssing. Nach knapp 10 Minuten Flugzeit sind wir bereits über den Dächern von Bad Füssing angekommen, die wir ruhig in ca. 600 m Höhe überfliegen. Ein interessanter Anblick, das Kurzentrum, der Kurpark und die drei riesigen Thermalbäder mit ihren ausladenden Badelandschaften einmal aus der Vogelperspektive zu sehen.

UL-Segelflug.de/images/GT/Gyrocopter-Rundflug_im_Cavalon/Bad-Fuessing_1858.jpg

Weiter geht unser Rundflug in westlicher Richtung zum Flugplatz Pfarrkirchen, wo ich drei Tage später auf Einladung des LSC-Pfarrkirchen einen Vortrag zum Thema Faszination UL-Segelflug halten kann . Wenn die Sicht nur besser wäre, dann hätten wir einen phantastischen Ausblick auf das gesamte Alpenpanorama. Aber ein paar Kilometer südlich von uns erstreckt sich in West-Ost-Richtung das Inntal, über dem eine dicke Nebeldecke liegt, die den teils schneebedeckten Alpenhauptkamm in einen undurchdringlichen grauen Schleier hüllt. Ein ungetrübter Blick auf die Alpen bleibt uns zu meinem Leidwesen versperrt, was meine Fotografenseele maßlos foltert. Und wie zum Hohn ragen die Spitzen der Alpenkette noch ein kleines Stück aus der undurchdringliche Nebelwurst heraus.

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Die Tage davor und danach war zwar Urlaubswetter vom Feinsten mit herrlichem Sonnenschein und weiß-blauem Himmel, aber das nutzt mir in diesem Moment gerade mal überhaupt nichts. Nun gut, kann man nicht ändern. Ich muss mich damit abfinden und gebe mich erneut der "Faszination Gyrokopter" hin.

Kurz darauf erreichen wir den Flugplatz Pfarrkirchen, den wir nach Freigabe von Eggenfelden Info überfliegen. Außer ein paar Modellfliegern ist dort zum Zeitpunkt unseres Besuches kein Betrieb. Ein normaler Vereinsplatz also, an dem wie üblich meist nur am Wochenende geflogen wird.

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Wir drehen ab in nord-östlicher Richtung und fliegen zurück zum Ausgangspunkt Fürstenzell. Jetzt kommt auch meine große Stunde und ich kann die Steuerung des Cavalon übernehmen. Unter Aufsicht meines PIC kann ich erstmals einen Gyrokopter selber fliegen. Ungewohnt für mich als UL- und Segelflieger ist das ständige "Geruckel" am Steuerknüppel, an das ich mich erst einmal gewöhnen muss. Ansonsten fliegt sich der Cavalon mittels Steuerknüppel und Seitenruderpedale genau so wie ein ganz normales Flächenflugzeug. Sympathisch an der Sache ist, dass ein Tragschrauber keine Mindestgeschwindigkeit hat und somit nicht in einen überzogenen Flugzustand gelangen kann. Es gibt keinen "Strömungsabriss" wegen zu geringer Fahrt, da die Drehzahl des Rotors der entscheidende Faktor ist und nicht die Vorwärtsfahrt.

Trotzdem hat natürlich auch ein Tragschrauber seine Tücken, die man als Pilot kennen sollte und dafür gut geschult sein muss. Im Gegensatz zu Flächenflugzeugen sind negative Anstellwinkel durch zu starkes Drücken am Steuerknüppel zu vermeiden, was zu einer Anströmung des Rotors von oben und somit zum Auftriebsverlust führen würde.

UL-Segelflug.de/images/GT/Gyrocopter-Rundflug_Klaus-fliegt_1869.jpg

Die Sache macht von Anfang an richtig Spaß, wobei ich mir im Klaren darüber bin, dass ich als langjähriger Flächenflieger meilenweit von der sicheren Beherrschung eines Tragschraubers entfernt bin. Meine eingefleischten Reflexe und Gewohnheiten als Flächenpilot könnten mich in Situationen, in denen ein schnelles, reflexartiges Handeln erforderlich wird, in größte Schwierigkeiten bis zum Absturz bringen. Denn während bei Triebwerksausfall in einem Flächenflugzeug je nach Fluglage und Flughöhe signifikant nachgedrückt werden muss um Fahrt aufzuholen, würde ein übermäßiges Nachdrücken beim Tragschrauber zu einer Entlastung des Rotors (low-G) führen, was eine extrem hohe Sinkrate in Kombination mit einem erheblichen Verlust an Rotordrehzahl zur Folge hätte. In niedriger Höhe wäre somit eine harte Landung oder gar ein unkontrollierter Aufschlag am Boden wahrscheinlich.

Positiv ist zu vermerken, dass der Tragschrauber im Gegensatz zu Flächenflugzeugen sehr "unempfindlich" gegen Turbulenzen ist und daher ruhiger als Flächenflugzeuge, insbesondere UL-Flugzeuge, fliegt.

Rechtzeitig vor unserem Landeanflug auf den Flugplatz Fürstenzell gebe ich die Kontrolle an meinen PIC zurück und ich kann erneut den Reiz der unter uns vorbeiziehenden Landschaft sowie das Flugvergnügen "Gyrokopter" genießen.

UL-Segelflug.de/images/GT/Gyrocopter-Rundflug_Anflug_auf_Fuerstenzell_1882.jpg

Die geringe Fahrt beim Landen macht auch eine Notlandung weit ungefährlicher als mit einem Flächenflugzeug, da sich die Landerollstrecke extrem verkürzt. Im Flug-& Betriebshandbuch des Cavalon ist die Landerollstrecke bei MTOW mit 0 - 20 m angegeben.

Üblicherweise sind UL-Tragschrauber, im Gegensatz zu UL-Flugzeugen, nicht mit einem ballistischen Gesamtrettungssystem ausgerüstet, da das im Flug in Autorotation befindliche Rotorsystem als Rettungsgerät fungiert.

Zum Abschluss noch der obligatorische und unvermeidliche Tankvorgang für den Rückflug sowie der Wiedereinstieg des mitgebrachten "Passagiers" mit widerstandsloser "Festzurr-Prozedur" bei ausgebautem Passagiersitz. Dann flogen Hubi und Besatzung wieder zurück zum Stationierungsort in der Nähe von Regensburg.

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Unterm Strich ein tolles Flugerlebnis und eine schöne kleine Strecke, die ich so natürlich gerne auch einmal mit meinem Banjo fliegen würde. Nun gut, mein Banjo hat halt keinen Motor und natürlich werde ich dem UL-Segelflug trotzdem weiterhin treu bleiben.

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Wenn ich auch unumwunden zugeben muss, dass diese Art von ultraleichter Fliegerei durchaus ihre Reize hat und ich mich auf meine alten Tage noch voll und ganz dafür begeistern könnte, werde ich wohl in Anbetracht meiner mir unbekannten biologischen Restlaufzeit, dem UL-Segelflug die Treue halten. Aber einen Blick über den ULSF-Tellerrand werde ich ab und zu trotzdem wieder machen. Schließlich gibt es im Luftsport immer noch die eine oder andere Variante, die ich bisher noch nicht ausprobiert habe.

Nur eines werde ich niemals machen: Aus einem intakten Flugzeug auszusteigen um mich in die Tiefe zu stürzen und dabei darauf zu hoffen, dass nach dem Griff zum Griff der in einem "Rucksack" auf meinem Rücken zusammengefaltete Stofffetzen sich tatsächlich entfaltet und den freien Fall noch rechtzeitig vor dem finalen Aufschlag abbremst.

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