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Ich habe verstanden.

Faszination "Sunrise-Fliegen" auf dem Berg der UL-Segelflieger

Veröffentlicht am 01. Februar 2015
Zugriffe: 2099

UL-Segelflug.de/images/TC/Faszination_Sunrise-Fliegen_Klaus_in_KB_1670.jpgEs war schon irgendwie verrückt, als Segelflieger frühmorgens um 05:30 Uhr aus den Federn zu springen, um zwei Stunden später zum Sonnenaufgang bereits im F-Schlepp in die Luft zu gehen. Beim ersten Blick aus dem Fenster ist der schlapp herunter hängende Windsack im dichten Morgennebel nur schemenhaft zu erahnen. Normalerweise würde ich mich einfach wieder in die Koje legen und eine Runde weiterschlafen. Geht aber nicht, schließlich hatten wir uns vorgenommen, mit der GFW-3 von Gerhard Wagner und meinem Banjo Leistungs-Vermessungsflüge durchzuführen.

Pünktlich um 06:00 Uhr schieben wir die Hallentore auf. Ein irgendwie gespenstischer Anblick, nasskalt-feucht und ungemütlich frisch um diese Zeit. Aber irgendwann müssen sich die Nebelschwaden lichten und dann geht es endlich in die Luft. Kein Wind und keine Thermik wird uns bei unserem Abenteuer heute stören. So sehr wir uns normalerweise gute Thermik wünschen, heute wünschen wir uns ausnahmsweise "tote Luft".

Gerhard steht mit seiner GFW-3 wie immer als erster am Start, assistiert von Siegfried Rappel. Der Bodennebel hat sich zwischenzeitlich zwar gelichtet, doch die Luft ist auch jetzt noch ziemlich feucht. Tau schlägt sich auf dem ganzen Flugzeug nieder und sobald die Haube zugemacht wird fängt sie an sich von innen zu beschlagen.

UL-Segelflug.de/images/GT/Faszination_Sunrise-Fliegen_Startvorbereitungen_GFW-3_1658.jpgUL-Segelflug.de/images/GT/Faszination_Sunrise-Fliegen_Gerhard_vor_dem_Einstieg_1659.jpg

Vorsichtshalber habe ich ein Handtuch mitgebracht, um nach dem Schließen meiner Banjo-Haube für den richtigen "Durchblick" sorgen zu können. Eine gute Entscheidung, wie sich später herausstellen sollte.

Was den Sonnenstand betrifft, so hätten wir bereits eine Stunde früher starten können, doch Mitte September spielen dabei eben auch noch ein paar andere Faktoren eine Rolle. Solange keine Sichtflugbedingungen herrschen, müssen wir notgedrungen am Boden bleiben. Kurze Zeit später ist die Sicht o.k. und kurz danach ist Gerhard mit seiner GFW-3 am Schleppseil der Sobernheimer Dimona auch schon aus meinem Blickfeld verschwunden Ich muss mich schleunigst selber fertig machen muss. Während ich mich in meinem Banjo-Cockpit gemütlich einrichte, kommt über Funk die Meldung "ausgeklinkt - 1.500 m über Grund". Damit hatte ich beim Blick zum Himmel nicht gerechnet, dass es tatsächlich so hoch gehen könnte. Doch die Bewölkung scheint zu täuschen, tatsächlich scheint die Basis höher zu sein als man von unten glauben möchte.

UL-Segelflug.de/images/GT/Faszination_Sunrise-Fliegen_Klaus_vor_dem_Erstflug.jpg

Die Sonne hat ihr Erscheinungsbild von anfangs glutrot knapp über dem Horizont auf inzwischen gleißend weiß-gold abgeändert und sie wird von feuchter Luft und dünnen Nebelschwaden gespenstisch abgedunkelt und verschleiert . Dann ist unser Schleppfix (Manfred Petry) mit der Dimona endlich gelandet und ich werde eingeklinkt. Kaum ist die Haube zu, ist sie auch schon wieder voll beschlagen. Eifrig wische ich die Feuchtigkeit vom Haubenglas und hoffe, dass der Luftstrom durch die Frischluftdüsen ausreichen wird, um nach dem Anschleppen für einen freien Durchblick zu sorgen. Wenn nicht, muss ich notgedrungen ausklinken und am Boden bleiben.

Ich habe Glück. Kurz nach dem Anschleppen fließt der erste spürbare Luftzug durch die beiden Frischluftdüsen, die in kürzester Zeit die beschlagene Haube "frei blasen" und für freie Sicht nach vorne sorgen.

Die Lichtverhältnisse, der optische Eindruck und der Fluggenuss sind phänomenal. Ich genieße den ungewohnt butterweichen F-Schlepp in vollen Zügen und kann von dem ungewohnten Farbenspiel um mich herum einfach nicht genug bekommen.

UL-Segelflug.de/images/GT/Faszination_Sunrise-Fliegen_im_F-Schlepp_in_1000m.jpg

In 1.000 m Höhe angekommen scheint der Abstand zu den Wolken noch genau so groß zu sein, wie er zuvor am Boden war. In 1.500 m fragt mich Manfred über Funk "wie hoch soll´s gehen?". Wir sind immer noch weit von der Basis weg und je höher wir steigen, desto mehr habe ich das Gefühl, dass sich die Wolkendecke mit uns immer weiter anhebt. "Keine Ahnung" funke ich an Manfred zurück, "so hoch wie möglich - heute will ich´s wissen".

UL-Segelflug.de/images/GT/Faszination_Sunrise-Fliegen_2000m_6904.jpg

In 2.000 m fängt Manfred an zu jammern, dass es jetzt nicht mehr höher ginge, denn die Dimona bekäme langsam "Hitzewallung" und inzwischen ist die Wolkendecke auch nicht mehr ganz so weit von uns entfernt. Schade, ich hätte diesen Wahnsinnsschlepp natürlich gerne noch etwas verlängert. Doch was nicht geht, das geht halt nicht. Ich ziehe am Ausklinkhebel und drehe nach rechts.

Die Luft in der ich mich mit meiner Kilo-Bravo bewege ist so was von tot, normalerweise würde mir das mächtig stinken. Doch für heute war das anvisierte Ziel natürlich weder Thermik- oder Streckenflug. Vermessungsflüge sollten es zur Abwechslung mal werden, um die Gleitzahl und das Flugverhalten bei unterschiedlichen Geschwindigkeiten zu erfliegen. Geplant waren jeweils zwei Minuten Geradeausflug im Geschwindigkeitsabstand von jeweils 10 km/h. Von 140 km/h bis 60 km/h, so dass am Ende eine wirkliche Polare daraus erstellt werden kann.

UL-Segelflug.de/images/GT/Faszination_Sunrise-Fliegen_Klaus_Fluggenuss-pur_1685.jpg

Doch irgendwie will die Vermessungsfliegerei bei mir dann doch nicht so richtig klappen. Ich bin von den ungewohnten Eindrücken so "berauscht", dass mir weder der lange Geradeausflug noch das Halten der Geschwindigkeit für ganze zwei Minuten gelingen will. Ständig werde ich hier oben in der Stille abgelenkt und so gebe ich mich bereitwillig der Faszination des ruhigen und ungestörten Gleitflugs hin.

Drauf gepfiffen, Vermessungsflüge können warten. Die mache ich dann halt ein andermal. Meine Begeisterung ist grenzenlos und ich genieße 30 volle Minuten mein ungestörtes, langsames und lautlosen Dahingleiten, bis ich endlich -nein leider- wieder mit dem Hauptrad die Graspiste auf dem Domberg berühre und hoch zufrieden zurück am Start zum Stehen komme.

Meine schwärmerischen Eindrücke infizieren schnell auch Dietrich Brönner, der als Nächster in ein Banjo hüpft, um dieses ganz besondere Vergnügen höchst persönlich zu genießen.

UL-Segelflug.de/images/GT/Faszination_Sunrise-Fliegen_Teilnehmergruppe_6846.jpg

Nach den ersten Sunrise-Flugerlebnissen geht´s erst einmal zum Frühstück, das wir an diesem Tag zwar etwas verspätet, dafür aber ganz besonders genießen können.

Klar, dass es nicht bei einmal "Sunrise-Fliegen" in dieser Septemberwoche geblieben ist. Und, dass "Faszination Sunrise-Fliegen" auch 2015 wieder ein Highlight bei den Sobernheimer Thermik- & Streckenwochen sein wird, stand am Ende der Veranstaltung für alle fest.

Geplant ist das nächste Sunrise-Fliegen diesmal im Rahmen der 5. Sobernheimer Thermik- & Streckenwoche bzw. beim 1. Internationalen Banjo-Treffen. Beide Veranstaltungen laufen parallel in der Zeit vom 06.-13. Juni 2015, zeitlich also kurz vor Mittsommer. Das heißt, dass zu diesem Zeitpunk kaum mit Frühnebel zu rechnen ist und somit der erste Start bereits in aller Herrgottsfrühe schon kurz nach 05:00 Uhr Domberg-Zeit erfolgen kann.

Ach ja, im Übrigen war der reale "Sunrise-Flug" noch weitaus schöner, als ich ihn zuvor in meinem Traum erlebt hatte. Und aus der Erstellung einer persönlich erflogenen Banjo-Polare ist am Ende auch nichts geworden. Dazu war ich wohl zu doof oder einfach nur zu fasziniert und überwältigt von diesem Frühaufsteher-Erlebnis. Macht aber nichts, vielleicht klappt es dann ja beim 1. Banjo-Treffen im Juni. Schaun mer mal dann segnma scho!

Und wer sich beim Lesen jetzt mit dem Sunrise-Virus infiziert hat und die "Faszination Sunrise-Fliegen" selbst einmal erleben möchte, der kann sich bereits jetzt dafür anmelden.

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