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Banjo Windenschlepp-Erprobung erfolgreich abgeschlossen

Veröffentlicht am 23. September 2015
Zugriffe: 1294

http://UL-Segelflug.de/images/TS_Banjo-Windenschlepptest_2015_8758.jpg Bekanntlich können Banjos nicht nur im F-Schlepp, sondern auch per Windenschlepp in die Luft gebracht werden. Gemäß Flug- & Betriebshandbuch gilt dies sowohl für den Windenschlepp mit Drachenschleppwinden mit Zugkraftbegrenzung, als auch für normale Segelflug-Schleppwinden. Bei Segelflug-Schleppwinden ist einschränkend allerdings zu beachten, dass nur mit Winden geschleppt werden darf, die mit Kunststoffseilen ausgerüstet sind. Außerdem muss der Windenfahrer ausreichend Erfahrung im Schleppen langsamer und leichter Segelflugzeuge besitzen oder darin zuvor eingewiesen worden sein. Ob und wie der Windenschlepp mit dem Banjo an einer Segelflugwinde tatsächlich funktioniert, das wollte ich schon lange wissen und natürlich auch einmal persönlich ausprobieren.

Da uns in Bad Sobernheim keine zugkraftbegrenzte Drachenwinde zur Verfügung steht und mir vorrangig an aussagekräftigen Windenschlepp-Tests mit einer gängigen Segelflug-Schleppwinde gelegen war, kam in Absprache mit dem Vorstand des Flugsportvereins Bad Sobernheim, die dortige Winde zum Einsatz. Dabei handelt es sich um eine herkömmliche Winde auf Lkw-Chassis mit üblichem V8-Benzinmotor (240 Ps), Handgasregelung sowie Dyneema-Seilen auf beiden Seiltrommeln.

Da ich zuvor noch nie mit dieser Winde geschleppt hatte, habe ich mich vom Windenfahrer-Ausbilder des Vereins zuerst in die Windenbedienung und deren Besonderheiten eingehend einweisen lassen. Selbstredend, dass ich danach auch einige Schlepps unter seiner Aufsicht ausgeführt habe. Obwohl es sich bei der Sobernheimer Winde (wie bei den allermeisten Vereinen) nicht um das neueste Windenmodell handelt und die Art des Handgashebels für mich ungewöhnlich war, bin ich auf Anhieb mit der Windenbedienung zurecht gekommen. Auch sind die Schlepps unter Aufsicht problemlos verlaufen, wobei sich die Handgasregelung als sehr feinfühlig und sehr fein dosierbar herausstellte. Die Winde war somit aus meiner Sicht problemlos zum Schlepp unserer Banjos und anderer UL-Segelflugzeugtypen der 120 kg-Klasse geeignet.

http://UL-Segelflug.de/images/GT_Banjo-Windenschlepptest_Wind-Banjo_im_Anflug_auf_21.jpg

Für die Windenschlepp-Tests bot die 15. Sobernheimer Banjo-Woche 2015 die besten Voraussetzungen, schließlich hatten sich neben vier Umschülern auch drei Scheininhabern zur Teilnahme angemeldet. Und die Scheininhaber brachten nicht nur genügend Banjo-Flugerfahrung mit, sondern einer davon auch sein eigenes Banjo. Beste Voraussetzungen also, die geplanten Schlepp-Tests in aller Ruhe und in ausreichender Anzahl durchführen zu können.

Ein für uns jedoch nicht vorhersehbares Ereignis hat uns bereits beim ersten Schlepp ein kniffliges Rätsel aufgegeben, an dem wir erst einmal etwas zu knabbern hatten. Beim 10. Schlepp dann ein weiteres Ereignis, das so weder zu erwarten, noch vorhersehbar gewesen wäre. Die Einzelheiten dazu aber im nächsten Blog!

Planung und Vorbereitung für die Windenschlepp-Tests
In weiser Voraussicht hatte ich rechtzeitig ein eigenes Dyneema-Vorseil sowie jeweils fünf 300 daN Sollbruchstellen mit Rundloch und Langloch für eine sog. SB-Reserveschaltung bestellt. Bei einem möglichen Bruch der Sollbruchstelle sollte so ein Verlust des Vorseils bzw. zeitaufwändige Suchaktionen vermieden werden. Aus Gründen der Sicherheit war mir außerdem sehr daran gelegen, die vorgegebene Schleppgeschwindigkeit von max. 80 km/h keinesfalls zu überschreiten. Zwar habe ich im Schleppen von leichten Segelflugzeugen wie Ka8, Spatz usw. reichlich Erfahrung, doch UL-Segelflugzeuge der 120 kg-Klasse hatte ich bisher noch nie geschleppt. Da ich dabei aber auf Nummer sicher gehen wollte, hatte ich mir von Skylaunch ein Windenstart-Assistent System ausgeliehen, das aus drei Sendern und einer Empfangsanlage für die Winde (siehe Bild unten) bestand.

http://UL-Segelflug.de/images/Skylaunch_Windenstart-Assisten.jpg Flugzeug-Sender (links), Winden-Empfänger mit digitaler Geschwindigkeitsanzeige (rechts)
© www.skylaunch.eu

Einer der flugzeugseitigen Sender war für meine KB bestimmt, ein anderer für ein Verbands-Banjo sowie ein dritter (anfangs) für die Ka7 des Sobernheimer Vereins, mit der ich das System bei meinen Einweisungsschlepps testen wollte. Da ich keine Eingriffe in die Winden-Elektrik machen wollte, habe ich die Empfangsanlage mittels einer handelsüblichen 9V-Blockbatterie mit Strom versorgt, was auch seitens Skylaunch für Systemtests empfohlen wird. Schließlich arbeitet die Empfangsanlage in einem recht großen Spannungsbereich von 8V bis 14V. Das so präparierte Empfangsgerät wurde mit Kabelbindern einfach in Augenhöhe im Drahtgitter des Fahrerschutzes befestigt, quer darüber die Empfangsantenne - fertig.

http://UL-Segelflug.de/images/GT_Banjo-Windenschlepptest_8758.jpgSkylaunch-Empfangsanlage, provisorisch am Schutzgitter in Augenhöhe des Windenfahrers befestigt

Nachdem die ersten Probeschlepps mit der Ka7 am Sonntag zur vollsten Zufriedenheit verlaufen sind, konnte der Sender am Abend aus der Ka7 wieder ausgebaut und in das Banjo von Christoph Weber (D-NBXL) eingebaut werden. Jetzt brauchten wir nur noch das ideale Testwetter abzuwarten, das sich aber erst ab Donnerstag einstellen wollte. Um bei den ersten Test-Schlepps keinerlei Risiko einzugehen, saß zuerst unser Verbands-Fluglehrer Helmut Schwägler im Cockpit des Banjo. Und das war auch gut so, wie sich gleich herausstellen sollte. Gefühlvoll aber zügig hatte ich die Winde beschleunigt, bis sich das Banjo bei einer Geschwindigkeitsanzeige von 65 km/h vom Boden erhob. Alles im grünen Bereich, ich konnte weiter auf 80 km/h beschleunigen.

Entgegen meinen Erwartungen gleitete das Banjo jedoch in 5 m Höhe im Horizontalflug am Schleppseil über den Platz, obwohl ich die Motordrehzahl kontinuierlich weiter erhöhte und auch Helmut mehrfach zum schnelleren Schlepp aufforderte. Doch mehr als 65 km/ wollte der Empfänger einfach nicht anzeigen, obwohl ich den Motor immer weiter beschleunigte und mir sowohl das Motorengeräusch, als auch die Lautstärke des Motors eigentlich eine weit höhere Schleppgeschwindigkeit suggerierten. Trotz stetig mehr Gas, die Geschwindigkeitsanzeige wollte einfach nicht auf die anvisierten 80 km/h steigen. Dann klinkte Helmut auch schon aus und setzte das Banjo noch vor der Halbbahnmarkierung sicher auf den Boden.

Was war passiert? Warum nahm das Banjo keine Fahrt auf? Die passenden Antworten gibt es im nächsten Blog.

Nachdem das Problem analysiert und die (wahrscheinliche) Lösung gefunden war, verliefen alle weiteren Schlepps problemlos und genau so, wie sie sein sollten. Dank des zuvor installierten Telemetriesystems konnte bei allen Schlepps die vorgegebene Schleppgeschwindigkeit von 75-80 km/h exakt eingehalten werden. Und trotz anfänglich sehr vorsichtigem Ziehen der Piloten, wurden dabei Ausklinkhöhen von 300 m und mehr erreicht. Ein mehr als zufriedenstellendes Ergebnis, bei dem die Flugzeugstruktur zu keiner Zeit über ihr konstruktives Limit beansprucht wurde.

Beim zehnten Windenschlepp ist dann allerdings erneut etwas passiert, womit ich absolut nicht gerechnet hätte. Inzwischen hatte ich Helmut auf der Winde eingewiesen - es war sein fünfter Schlepp. Christian war mit seiner XL bei leichtem Seitenwind etwas über den südöstlichen Bahnrand abgedriftet und die Motordrehzahl der Winde war bereits fast auf Leerlauf reduziert, als das Seil aus der Kupplung fiel. Kein Problem, wahrscheinlich hatte Christian selbst ausgeklinkt, so unsere Überzeugung. Schließlich war er bereits in 300 m Höhe und kurz vor dem Ausklinkpunkt nahe der Winde. Dass dem nicht so war, stellten wir sichtlich verdutzt nach dem Seileinzug fest. Die zweite Überraschung des Tages bei unseren Windenschlepp-Tests, die so keiner von uns erwartet hätte. Auch dieAntwort auf dieses Problems gibt es im Folgeblock.

Wichtigste Erkenntnis des Tages
Ultraleicht-Segelflugzeuge der 120 kg-Klasse können mit normalen Segelflug-Schleppwinden problemlos und sicher geschleppt werden, sofern einige Dinge dabei beachtet werden. Es können Ereignisse eintreten, die beim Schleppen herkömmlicher (schwerer) Segelflugzeuge so wahrscheinlich nicht vorkommen werden und die man in dieser Art nicht erwarten würde. Weder als Windenfahrer, noch als Pilot.

Anzeigenabgleich zwischen Telemetrie-System und Analog-Fahrtmesser
Blieb am Ende noch die spannende Frage, in wieweit die übermittelte und am Empfängerdisplay angezeigte Geschwindigkeit mit der Anzeige am Fahrtmesser im Banjo-Cockpit übereinstimmt. Nur wenn es hier keine oder zumindest vernachlässigbare Abweichungen gibt, kann man sich auf das Telemetriesystem verlassen.

Um die Übereinstimmung der Geschwindigkeitsanzeigen zwischen Windenstart-Assistent und Fahrtmesseranzeige zu überprüfen bzw. zu belegen, haben wir zwei statische Testläufe am Boden durchgeführt. Mittels Druckbeaufschlagung am Staudruck der Kilo-Bravo, wurde der Druck bis zur Anzeige von 140 km/h (Vne) aufgepumpt und in Zehnerschritten langsam abgelassen. Zur weiteren Absicherung des Testergebnisses wurde im zweiten Testlauf zusätzlich ein Winter-Fahrtmesser parallel in die Stau- und Statikleitung eingebaut. Die Ergebnisse der nachfolgenden Liste sprechen für sich:

Banjo-Fahrtmesser Winter-Fahrtmesser Windenstart-Assistent
140/140 ---/142 142/142
130/130 ---/132 131/133
120/120 ---/120 122/121
110/110 ---/113 112/111
100/100 ---/101 103/101
90/90 --/91 92/93
80/80 --/81 82/81
70/70 --/70 73/71
60/60 --/60 61/60
50/50 --/50 52/50

Die bei den Testläufen erzielten Ergebnisse haben meine Erwartungen in die Zuverlässigkeit und Genauigkeit des Telemetrie-Systems voll erfüllt. Im gesamten Geschwindigkeitsbereich zwischen 50 und 140 km/h lag die Abweichung zwischen den Anzeigen bei max. 3 km/h. Bei der Betrachtung ist allerdings zu berücksichtigen, dass zwar der Digitalwert auf dem Skylaunch-Windenempfänger exakt abgelesen werden kann, während die genaue Ablesung der beiden analogen Zeigerinstrumente etwas schwieriger bzw. ungenauer ist, je nach Blickwinkel auf die Instrumentenskala.

Fazit
Auf den Skylaunch Windenassistenten ist Verlass und die Nutzung des Systems trägt in jeden Fall dazu bei, dass der Windenstart im sicheren und optimalen Geschwindigkeitsbereich erfolgt, ohne dabei eine Strukturüberlastung des geschleppten Flugzeuges zu riskieren. Eigentlich unverständlich, dass ein Telemetriesystem dieser Art (noch) kein Standard ist, zumal die Anschaffungskosten für die Empfangseinheit mit 290 €/netto sowie pro Flugzeugsender mit 190 €/netto, nun wirklich kein Thema sein können oder sein sollten. Und die Privatflieger würden sich ihren Sender ja sowieso selbst anschaffen müssen, sofern sie Wert auf die Nutzung des Systems legen. Mir jedenfalls war die Sicherheit beim Windenstart mit richtiger Schleppgeschwindigkeit die Anschaffung eines eigenen Senders wichtig.

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