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Ich habe verstanden.

Back to the roots: Song-Kanisterbetankung

Veröffentlicht am 23. Januar 2017
Zugriffe: 550

http://UL-Segelflug.de/images/stories/Blogs/2017/1702_Back-to-the-roots/TS_Klaus_Song-Erstflug.jpgÜber 20 Jahre war das Thema sozusagen "Schnee von gestern", doch mit Anschaffung meines Song-Polini hat es mich erneut erwischt: Flugzeugbetankung mittels Benzinkanister und der damit verbundenen Sicherheitsproblematik. Während ich die letzten 23 Jahre mit einem Motorsegler oder Ultraleicht ganz unbesorgt vor die Vereins-Tankstelle rollen und den Flieger mittels Zapfpistole und zuvor angeklemmtem Erdungskabel in kürzester Zeit betanken konnte, dürfte sich die Betankerei bei meinem Song wohl etwas aufwendiger gestalten.

Schließlich säuft mein kleiner Stinker keinen reinen Autosprit, sondern Zweitaktmischung 1:67, die es wohl an keiner Flugplatz-Tankstelle fertig geben dürfte. Nun gut, ist erst mal alles kein Problem. Doch dann rattern die Relais in meinem "Personal Computer", der in den tiefsten Katakomben meiner menschlichen Festplatte das Langzeitgedächtnisses durchwühlt. Da war mal was, kann ich mich an den Anfang meiner Falke-Fliegerei in meinem ersten Verein erinnern, bei dem es in den Achtzigerjahren keine Flugplatztankstelle gab. Kanisterbetankung war dort an der Tagesordnung.

Irgendwie kann ich mich auch dunkel daran erinnern, dass es in dieser Zeit mal eine Sicherheitsmitteilung der Flugunfalluntersuchungsstelle gegeben hat, in der auf die Gefahren bei der Kanisterbetankung hingewiesen wurde. Damals gab es noch kein WWW und Sicherheitsmitteilungen der FUS wurden auf Papier an die Vereine verschickt. Doch die olle Kamelle dürfte vermutlich in keinem Vereinsordner mehr zu finden sein. Auf bloßen Verdacht im Internet nach "Kanisterbetankung" recherchiert und huch, an erster Stelle spuckt Google doch tatsächlich ein PDF mit dem Titel "Oft geübte Praxis: Kanisterbetankung" aus. Und der Herausgeber des Textes ist die BfU in Braunschweig - toll.

Einleitend wird im Text ganz kurz die Problematik dargestellt, gefolgt von zwei einprägsamen Beispielen.

Beispiel 1
"Ein Motorseglerführer betankt seinen Motorsegler aus einem Kanister. Um Schmutz und Wasser zu vermeiden, legt er ein Leder in den Kunststofftrichter und gießt den Kraftstoff ein. Während des Eingießens gibt es eine Stichflamme und der Trichter brennt. Geistesgegenwärtig wirft der Motorseglerführer den Trichter weg, doch bereits entzündeter Kraftstoff läuft über den Tragflügel und der Motorsegler wird schwer beschädigt".

Beispiel 2

"Ähnlich verlief das Betanken eines zweimotorigen Flugzeuges in einer Halle, nur war hier der Schaden -etwas- größer!"

Auf die gleiche Art und Weise hatten wir in den Achtzigern auch unseren alten B-Falken betankt; zum Glück ist uns dabei die "heiße Erfahrung" erspart geblieben.

Was war passiert, worin bestanden und bestehen auch heute noch die Gefahren, die bei der Kanisterbetankung durch Kunststoff- und Metalltrichter entstehen? Die Erläuterungen der BfU sind nachvollziehbar und einfach zu verstehen.

Zitat
"Bei dieser Art der Betankung können elektrostatische Aufladungen zur Entzündung oder gar zur Explosion führen. Elektrostatische Aufladungen sind elektrische Ladungen, die sich u.a. beim Strömen von Flüssigkeiten durch Trichter oder Füllrohre bilden können. Dabei hängen die Aufladungsvorgänge wesentlich von der wesentlich von der elektrischen Leitfähigkeit der beteiligten Stoffe ab. Aufladbar sind feste und flüssige Stoffe, die einen hohen spezifischen Widerstand besitzen, sowie nicht geerdete Gegenstände aus leitfähigem Material. Nicht aufladbar sind dagegen geerdete Gegenstände aus leitfähigem Material.

Berühren sich zwei zuvor ungeladene unterschiedliche Stoffe, so kommt es im Bereich ihrer gemeinsamen Grenzfläche i.d.R. zur Ladungsverschiebung. Diese kann auf beiden Stoffen zu einem Ladungsüberschuss gleicher Größe, aber mit entgegengesetzten Vorzeichen führen. Bei hinreichend starker Aufladung und dadurch bedingten hohen elektrischen Feldern kann es somit zu Entladungen kommen, die eine explosionsfähige Atmosphäre (Luft-/Kraftstoffgemisch) entzünden können

Nur wenn die beiden Stoffe hinsichtlich ihrer Aufladung hinreichend leitfähig und geerdet sind, ist der Ladungsüberschuss vernachlässigbar klein.

Aus diesem Grunde empfiehlt die FUS:

- Bei der Flugzeugbetankung aus Fässern und Kanister nur aus Metall bestehende Fässer, Kanister und
  Trichter verwenden
- das Flugzeug beim Betankungsvorgang unbedingt zu erden und
- darauf zu achten, dass zwischen Flugzeug und Metalltrichter eine leitende Verbindung besteht. Dabei reicht es
  aus, wenn der Metallische Trichter durch Aufliegen mit dem metallischen Tankeinfüllstutzen leitend verbunden ist".
Zitat Ende

Fazit:
Um meine Kilo-Bravo3 nicht irgendwann nach eingangs erwähnter Art und Weise "abzufackeln", werde ich mir zwei 10 L Metallkanister sowie einen Metalltrichter besorgen, die ich vor der Betankung mit einem Erdungskabel leitend verbinde, das an einem im Boden eingedrückten Erdspies hängt.

Interessant wäre jedoch zu erfahren, wie sich andere "Kanister-Betanker" diesbezüglich verhalten und ob es in der Vergangenheit bei "Leichten Luftsportgeräten" wie Trikes, Motorschirmen und anderen Luftsportgerätetypen der 120 kg-Klasse, ähnliche Vorfälle wie eingangs beschrieben gegeben hat.

Kommentare   

 
#1 Frischling 2017-01-24 14:13
In der Chemie-Industrie gibt es zur Vermeidung statischer Auf- und Entladungen ableitfähige Kunststoffe. Kann auch Metall sein, muss aber nicht.

Ab Volumina von 5l ist es wegen selbsttätiger (statischer) Aufladung durch die an Materialien reibenden Flüssigkeiten untersagt, Gebinde aus nicht ABLEITFÄHIGEM Material wie Glas oder HDPE zu verwenden. Diese spontanen Verpuffungen hatte es in der Branche viel zu oft gegeben. Bis 5l braucht man sowas nicht.

Wenn die Betankungsmenge also ausreichend klein ist (viel sollte das Ding nicht saufen), würde ich kein Fass aufmachen. Ansonsten sind miteinander verbundene ableitfähige Ausgießer/Trichter sicher kein Fehler.

__________________________________________________________

Hallo Frischling,

leider hast du deinen Namen nicht dazu geschrieben, aber trotzdem vielen Dank für deinen Kommentar.
Die Tankmenge beim Song beträgt max. 25 Liter, eine aus meiner Sicht ganz und gar nicht vernachlässigbare Kraftstoffmenge. Außerdem geht es ja nicht darum, eine kleine Menge brennbarer und hoch entzündlicher Flüssigkeit von einem Gefäß in ein anderes umzufüllen, sondern um einen im Sommer ggf. gut aufgeheizten Kraftstofftank im Flugzeug mit entsprechenden Kraftstoffdämpfen im Tank.
Nicht umsonst werden Flugzeuge immer geerdet bzw. Flugzeug und Tankfahrzeug/Zapfsäule leitend miteinander verbunden.
Eine leitende Verbindung zwischen Flugzeugtank, Metalltrichter und Metallkanister inkl. Erdungsspies, macht somit auch aus meiner Sicht auf jeden Fall Sinn. Bei dem Punkt sind wir uns also einig.

Schöne Grüße aus dem Odenwald

Klaus
 
 
#2 Markus Straub 2017-01-24 21:30
Hallo Klaus,

interessanter Punkt,davon hatte ich noch nie gehört und noch nie darüber nachgedacht als ich meinen Song getankt habe.

Viele Grüße
Markus
______________________________________________________________
Hallo Markus,

danke für deinen Kommentar.
Mit Sicherheit bist du diesbezüglich in guter Gesellschaft, denn vermutlich machen sich die meisten "Kanisterpiloten" über dieses Thema keine Gedanken. "Haben wir schon immer so gemacht - bisher ist nie was passiert", sind die wohl gängigsten Argumente für den sorglosen Umgang mit Kanistersprit. Trifft in den meisten Fällen wohl auch so zu, doch irgendwann passen die Löcher in der Käsescheibe aufeinander und es gibt ein neues gutes Beispiel, was passieren kann, wenn ...
Ein Erdungsspies, ein Blechkanister und 2 m Kabel, schon brauche ich mir keine weiteren Gedanken über den Betankungsvorgang machen.
Hoffe, dass wir bald mal zusammen als Song-Staffel fliegen können.

Schöne Grüße aus dem odenwald

Klaus
 

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