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Ich habe verstanden.

Altweibersommer ermöglicht erste kurze Thermikflüge

Veröffentlicht am 26. September 2017
Zugriffe: 176

http://UL-Segelflug.de/Endlich ist er da, der von mir langersehnte Altweibersommer. Zwar hat er erwartungsgemäß keine berauschende, aber dennoch brauchbare Thermikentwicklung über Michelstadt im Gepäck - auf die ich sehnsüchtig gewartet hatte. Blöd nur, dass sich "Altweiber-Thermikwolken" zu dieser Jahreszeit nicht mehr so hoch über dem Odenwald entwickeln, dass man in schwärmerische Höhen aufsteigen kann.

Hätte ich natürlich trotzdem machen können, aber dann halt nur mit "Rucksackthermik", ausgelöst durch meinen heißspornigen Italiener, der dabei eine ganze Menge Radau erzeugt. Wie erholsam war dagegen diese langersehnte, unheimliche Stille in der Thermik, als ich 500 m über Michelstadt endlich den Zündschalter umlegen und das Rucksackmoped hinter mir zum Schweigen bringen konnte. Balsam für meine vom Dauertinnitus geplagten Fliegerohren.

Geringe bis mäßige Thermik hatten die Wetterfrösche für letzten Freitag versprochen. Alles besser als nichts, schließlich musste ich seit über einem Jahr auf Thermikflüge ganz verzichten. Da wird man auch als eingefleischter Segelflieger sehr bescheiden und freut sich über jedes noch so zaghaft gezwitscherte bibibibibbibibb der elektronischen "Thermikwünschelrute". Ich habe das Gefühl, dass selbst meine KB3 begeistert ist von unserem ersten gemeinsamen Thermikerlebnis. Ausgelassen springt und hüpft sie in den aufsteigenden Luftmassen herum, gerade wie ein junges Fohlen, das erstmals auf die Pferdekoppel darf. Als "Jockey" bin ich ganz schön gefordert, den kleinen Hengst im Zaum zu halten, damit er bei seinen Bocksprüngen nicht ständig aus dem Bart gefeuert wird. Ganz schön nervös der kleine Kerl mit seinen 11,20 m Spannweite. Wahrscheinlich muss ich mich erst einmal daran gewöhnen, dass mein Banjo mit 13,30 m dagegen "recht behäbig" in der Thermik lag. Doch wenn ich mich zurück erinnere, dann hatte ich beim Umstieg von meiner SB 5 mit ihren stolzen 16 Metern genau die gleichen Anfangsprobleme. Nach einiger Zeit hatte ich mich daran gewöhnt und meine Steuerausschläge dem leichten Flieger angepasst. Genau so wird es mir mit meinem Song ergehen - wir müssen uns zu allererst einmal aneinander gewöhnen.

Nach ca. 20 Thermikkreisen und 50 m Höhengewinn, werde ich selber langsam ruhiger, was sich auch sofort auf meinen kleinen fliegenden Junghengst überträgt. Zehn Minuten später ist der Heißsporn langsam "eingeritten" und folgt bereitwillig meinen Steuermanövern. So langsam macht die Sache richtig Spaß und ich könnte diese Art des Fliegens noch stundenlang genießen.

Plötzlich sind wie aus dem Nichts, drei Bussarde in meinem Bart. Regelwidrig drehen diese Ignoranten jedoch in entgegengesetzter Richtung. Wenn die vielleicht glauben, ich würde jetzt meine Kreisrichtung ändern, dann haben die sich allerdings geschnitten. Kurze Zeit später verschwimmen ihre Konturen in den unteren Wolkenschleiern, bis sie dann ganz aus meinem Sichtfeld verschwunden sind. Ich kann mich erneut auf meine eigenen Thermikkreise konzentrieren und steige behutsam aber beständig weiter bis auf 1.200 m MSL.

Leider komme ich dabei der Wolkenbasis immer näher, so dass ich mich in respektvollem Abstand von der Wolkenbasis trollen muss. Das "König VOR" steht unweit von Michelstadt entfernt, dort könnte der Luftraum etwas eisenhaltig sein. Besser also Abstand halten, bevor mich so eine blinde Heulboje in meiner Euphorie vom Himmel fegt. Ich fliege von der immer besser ziehenden dunkelgrauen Wolkenflunder weg, die mich mit ihrer Anziehungskraft inzwischen auf 1.250 hochgehoben hat, hinaus in Richtung Mainbullau in ein großes blaues Loch. "Wir sehen uns dann eben später wieder, sofern du dich bis dahin nicht bereits in Wohlgefallen aufgelöst hast".

In Mainbullau war ich bereits am Tag zuvor, wo ich mich mit meinem Fliegerkameraden und Songhalter Holger Ludwig, zum gemeinsamen Verbandsflug nach Würzburg verabredet hatte.
http://UL-Segelflug.de/images/stories/Blogs/2017/1722_Altweibersommer_ermoeglicht_ersten_Thermikflug/GT_Kilo-Bravo_in_Mainbullau.jpgLandung in Mainbullau - Blick vom Turm
Auch an diesem Tag hingen Thermikwolken am Himmel auf der Strecke nach Würzburg, doch hatte ich es mir verkniffen, die Thermikgüte auszutesten. Ich wollte gemeinsam mit Holger in Würzburg landen und nicht im "Thermikrausch" das eigentliche Tagesziel aus den Augen verlieren. Obwohl es mich natürlich mehrfach schon im Hintern gejuckt hat und die Versuchung groß war unter einer Wolke einzukreisen. Erst als wir gemeinsam in Würzburg gelandet waren, die beiden Song vor dem Tower ordnungsgemäß geparkt, unsere Pflichten auf dem Tower erledigt und uns zu einem Cappuccino mit Käsekuchen an einem sonnigen Tisch am Flugplatzrestaurant niedergelassen hatten, verspürte ich erstmals den Stress der letzten Stunde. Meine ganze Muskulatur war angespannt wie ein Flitzebogen, denn so richtiges Vertrauen zu meinem kleinen Italiener hatte ich bis dahin nicht entwickelt. Ständig war ich mit meinen Ohren mit dem Sound des Zweitakters beschäftigt, ob nicht vielleicht doch irgend welche verdächtige Töne hinter meiner Rückenlehne zu hören sind. Ausweichplätze waren in dieser Gegend schließlich nicht so dick gesät, als dass ich alle paar Kilometer hätte beruhigt runter gehen können.
http://UL-Segelflug.de/images/stories/Blogs/2017/1722_Altweibersommer_ermoeglicht_ersten_Thermikflug/GT_Gemeinsam_in_Wuerzburg.jpgAnkunft in Würzburg - Parken vor dem Turm

Nach einem langen Plausch bei Kaffee und Kuchen, waren wir ca. eine Stunde nach der Landung wieder auf dem Weg zurück in die Heimat. Während Holger in Mainbullau sicher gelandet ist, bin ich mit meinem Song direkt nach Michelstadt weiter geflogen. Kurz vor der Landung konnte ich es mir dann aber doch nicht verkneifen, die an meinem Song spürbar zupfende Thermikwolke einmal zu testen. Schon hat mein E-Vario freudig jubiliert, da habe ich den Motor nach kurzer Abkühlphase abgestellt. Welch eine herrliche Ruhe, obwohl der vom Fahrtwind angetriebene Klapppropeller weiter hörbar-dumpf vor sich hin brummelte. Meinen kräftigen Zug am Hebel der Propellerbremse hat der Kamerad hinter mir zwar widerwillig zur Kenntnis genommen und seine Drehzahl reduziert, doch ganz zum Schweigen bzw. zum Stillstand und Zusammenfalten konnte ich ihn nicht bewegen. Mehrfache Abbremsversuche mit leider immer gleichem Ergebnis. Die Propellerdrehzahl wird hör- und spürbar auf etwa den halben Wert reduziert, doch zum völligen Stillstand bringe ich den widerspenstigen Brummkreisel leider nicht. Na gut, dann eben ein kleiner Thermikflug mit etwas "Rattatam" im Rücken. Nach ca. 15 Minuten erwecke ich den Italiener erneut zum Leben und gehe in den Gegenanflug auf Michelstadt 08, Ein paar Minuten später eine butterweiche Landung auf der Asphaltbahn mit Abrollen am Turm direkt bis vor meinen Hänger.

Dieser Tag hat richtig Spaß gemacht, auch wenn das Abbremsen des Propellers erfolglos war. Mit diesem Problem musste ich mich erst einmal auseinandersetzen.

http://UL-Segelflug.de/images/stories/Blogs/2017/1722_Altweibersommer_ermoeglicht_ersten_Thermikflug/GT_Kilo-Bravo_Bowdenzug-Propellerbremse.jpgBowdenzug der Propellerbremse mit zu viel Spiel bzw "totem Weg"

Schon bei der ersten Überprüfung war mir klar geworden, dass zwischen Feststellnippel und Bremsbacke zu viel "Totweg" vorhanden war. Bevor die Bremsbacken richtig greifen konnten, war mein Bremshebel am Steuerknüppel bereits am Anschlag angekommen. Folglich musste zuerst der "Totweg" beseitigt und dann die Einstellschraube so weit herausgedreht werden, bis die Bremsbacken gerade eben zum Anliegen auf der Bremsscheibe kommen. Ein Akt von gerade mal zwei bis drei Minuten, dann war die Bremse bereit zum ersten Test im Flug.

Funktionstest war am nächsten Tag in der bereits eingangs beschriebenen "Altweibersommer-Thermik" über Michelstadt. Unter der Wolke in die Thermik eingekreist und Gashebel ganz nach hinten. Nach kurzer Abkühlung den Zündschalter auf "AUS" und bis auf das Propellergebrummel herrscht Stille im Cockpit. Fahrt zurück auf 65 km/h, Bremshebel ziehen und schon wird es leiser. Die Aktion vom Vortag war erfolgreich. Nach ca. 10-15 Sekunden höre ich ein kurzes und dezentes "Klack" von hinten, danach herrscht im Cockpit absolute Stille. Der Propeller ist gefaltet und ich genieße erstmals die himmlische Ruhe. Mein Vario "zwitschert" in wundervollen Tönen, die mich in alte Banjo-Zeiten zurück versetzen. Genau so hatte ich es mir die letzten zwölf Monate auch vorgestellt. Nur schade, dass die Flugsaison 2017 bald zu Ende ist und ich lange nicht so viel mit meiner KB3 fliegen konnte, wie ich mir das vorgestellt bzw. gewünscht hatte. Was bleibt ist die Hoffnung auf die nächste Saison, in der ich dann hoffentlich von Anfang an kräftig mitmischen kann.

Eines kann ich jedenfalls mit gutem Gewissen jetzt schon sagen: "Mein Song ist durchaus thermiktauglich, so dass ich mich jetzt schon auf das kommende Frühjahr und die neue Thermiksaison freuen kann".

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