Diese Website verwendet Cookies.

Indem Sie weiter auf dieser Website navigieren, ohne die Cookie-Einstellungen Ihres Internet Browsers zu ändern, stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Mehr Infos

Ich habe verstanden.

Werkstattflug mit Schweißausbruch und Gänsehaut

Veröffentlicht am 28. September 2017
Zugriffe: 173

http://UL-Segelflug.de/images/stories/Blogs/2017/1725_Werkstattflug_mit_Schweissausbruch/TS_Klaus_KB3_JU-Hintergrund.jpgMeinen ersten Getriebeölwechsel am Polini hatte ich hinter mir. Bis auf die Diskrepanz bezüglich der Füllmenge in der Service-Anleitung und dem tatsächlichen Fassungsvermögen des Getriebegehäuses, war der Ölwechsel problemlos verlaufen. Auch der anschließende Motorstandlauf war ohne Probleme, so dass nichts gegen einen ersten Werkstattflug sprach. Sechshundert Meter über Michelstadt dann das absolute Horrorerlebnis, mit dem ich nicht gerechnet hatte.

Der Start auf der Startbahn 26 hat wie immer problemlos geklappt. Die Motordrehzahl hat gestimmt, die Steigwerte bei 80 km/h lagen bei 2-3 m/s ebenfalls gut im Limit und der Motorsound gab ebenfalls keinen Grund für irgendwelche Bedenken. Wassertemperatur lag bei 65°C und die EGT bei 530°C. An Thermik war an diesem Tag zwar nicht zu denken, war mir aber auch egal. Schließlich wollte ich mich nur noch einmal vergewissern, dass bei meinem Ölwechsel alles richtig war. Schließlich passten in das Getriebegehäuse nur 70 ccm Öl, anstelle der von Polini vorgeschriebenen Füllmenge von 100 ccm.

Sollte ich, aus welchen Gründen auch immer, beim Ablassvorgang etwas falsch gemacht haben, dann waren eben die fraglichen 30 ccm Altöl noch in irgendwelchen Katakomben des Getriebegehäuses zurück geblieben, die sich jetzt mit dem frischen Öl vermischen würden. Kein Problem, ich lasse das Öl nach der Landung einfach nochmals ab und schaue mir den vorgefundenen "Schwärzungsgrad" des Ablassöles an.

Falls beim ersten Ablassvorgang alles richtig war und das Getriebegehäuse völlig entleert worden war, dann war entweder die Service-Anweisung von Polini verkehrt bzw. veraltet, oder der Kontrollstopfen hätte bei Ölaustritt geschlossen und die restlichen 30 ccm zusätzlich eingefüllt werden müssen. Doch über diese Möglichkeit war in der Anweisung nichts zu finden. "Hätte - wäre - wenn"! Ganz egal wie, ich war jetzt in der Luft und zwischenzeitlich in 600 m Höhe, zwei Kilometer südlich vom Platz.

Mein kleiner Italiener hinter mir schnurrte artig vor sich hin, fast wie ein zahmes Kätzchen. Nur eben etwas lauter, aufmüpfiger und giftiger vielleicht - Italiener halt. Gerade so wie immer bei den letzten Flügen. Da diese bisher allesamt gut und komplikationslos verlaufen sind, brauchte ich mir auch diesmal keine Sorgen machen.

Doch dann, ganz plötzlich und von mir völlig unerwartet, von hinten ein markdurchdringendes Kreischen und Pfeifen, das in meinem Kopf sofort alle Alarmglocken schrillen ließ. Leichter Schweißausbruch mit Gänsehaut am ganzen Körper bei gleichzeitigem Anschwellen meiner Technikerohren unter dem Headset und Blutdruckanstieg. "Wo ist der Platz - reicht es zurück, oder muss ich mir für eine Außenlandung einen Acker suchen. Sch...e, das hat gerade noch gefehlt".

Ohne Motor war der Platz nicht mehr erreichbar, doch im Moment läuft er ja noch. Sollte ich zur Sicherheit den Motor besser abstellen, bevor das Getriebe auseinander fliegt? Keine gute Idee. Schließlich sind alle angezeigten Motorparameter immer noch im grünen Bereich. Vorsichtshalber umdrehen und schnellstmöglich zurück zum Platz, mögliche Außenlandefelder sind in Sicht, die Entscheidung steht.

Nach einer gefühlten Ewigkeit, die bei nüchterner Betrachtung lediglich 5-10 Sekunden gedauert haben kann, war der Spuk von einer zur anderen Sekunde vorbei. Dann scheint ja alles nochmals gut gegangen zu sein, der Rückflug zum Flugplatz schien gesichert und die befürchtete Außenlandung schien an mir vorüber zu gehen. Trotzdem sich alle Motorparameter auch weiterhin im grünen Bereich befanden, wollte ich das Schicksal trotzdem nicht herausfordern und bin zur Sicherheit in Michelstadt gelandet. Im Endanflug war mein Puls erneut auf normale Werte abgesunken und meine Nackenhaare hatten sich geglättet. Aufsetzen, abrollen, abkühlen - aus.

Bei der anschließenden Sichtkontrolle war rein äußerlich am Motor alles normal. Keine sichtbaren Schäden an Motor oder Getriebe und Ölaustritt war ebenfalls nirgendwo zu finden. Somit war die ganze Aufregung zwar völlig für die Katz, aber das war am Ende auch egal.

Nochmal alles von vorne: Öl ablassen, Schwärzungsgrad begutachten und die Ablassmenge bestimmen. Ablassöl ist zwar etwas dunkler, doch lässt der Schwärzungsgrad nicht darauf schließen, dass 30 ccm Altöl beim ersten Wechsel im Gehäuse zurückgeblieben sein könnten. Zumindest war damit das Gehäuse gut gespült und die Kosten für 70 ccm Getriebeöl konnte ich verschmerzen. Neubefüllung - Probelauf - alles erneut im grünen Bereich. Zwei Tage später dann mein nächster Flug mit einer Dauer von 1:55 Stunden. Alles o.k., der Flug hat wieder kräftig Spaß gemacht.

Inzwischen hatte ich auch Christian Reuter erreicht, der mir eine frühere Gehäuseänderung mit Reduzierung der Ölfüllmenge auf 70 ccm auch bestätigt hat. Und wie das oft so üblich ist: Die Service-Anleitung wurde von Polini bis heute wohl nicht geändert. Nuss man halt nur wissen.

Auch was diese ekelhaften, schweiß- und Blutdruck treibenden Geräusche betrifft, konnte er mich sofort beruhigen. "Hu-Ha, kenne ich! Polini setzt an der Propeller-Antriebswelle den dort erforderlichen Simmerring trocken ein, was dann irgendwann einmal zu diesen besorgniserregenden Geräuschen führt".

Das kann mit etwas Fett an der Stelle zwar beseitigt werden, doch ist zwischen Gehäusedeckel und Propellerbremse nicht genügend Platz, als dass man das Fett dort problemlos aufbringen könnte. Muss ich wohl vor dem nächsten Flug mit einem kleinen Pinsel oder vielleicht auch mit einem Ohr-Wattestäbchen versuchen - müsste auf die eine oder andere Art funktionieren.

Kommentare   

 
#1 Markus Straub 2017-10-05 21:24
Hallo Klaus,
vielen Dank für deine sehr interessanten, spannend geschriebenen und vor allem sehr lehrreichen Berichte.Du bist wirklich eine sehr große Bereicherung für unsere kleine "Song Gruppe"

Viele Grüße von der Alb
Markus
____________________________________________________________

Hallo Markus,

danke für deinen Kommentar.
Ich freue mich natürlich, wenn meine Artikel/Berichte bei meinen Lesern auch ankommen, insbesondere natürlich bei den Song-Haltern. Da unsere Song-Community mit ca. 30 Song-Haltern recht klein ist und jeder von uns immer wieder einmal ein Problem hat oder bekommen wird, ist es aus meiner Sicht sehr wichtig und hilfreich, wenn es einen regen Erfahrungsaustausch unter uns Haltern gibt. Nur so kann vermieden werden, dass jeder das Rad noch einmal neu erfinden muss.
Aus diesem Grunde ist natürlich auch für mich jede Information und jede Halter-Emailadresse sehr wichtig und wertvoll.

Schöne Grüße aus dem Odenwald

Klaus
 

Kommentar schreiben


Sicherheitscode
Aktualisieren

Momentan online:

Aktuell sind 75 Besucher online

Partner


http://UL-Segelflug.de/images/logos/Logo_LX-Navigation-Germany4.png

Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

UL-Segelflug.de/images/logos/Logo_Electric-Flight.jpg

Medien - Partner

 
logo_luft-sportlogo_segelfliegen_magazin
UL-Segelflug.de/Link_zu_Voil-á-VoileUL-Segelflug.de_Logo-Nordic_Gliding.jpg
UL-Segelflug.de/Logo_SoaringNZ.jpg

Sonstige

UL-Segelflug.de/images/Logo_Segelflugmuseum-Wasserkuppe_202px.jpg

UL-Segelfug.de/images/logos/LB_Banner_196x60.gif

http://UL-Segelflug.de/images/banners/banner_ultraleicht120.de.jpg

Kontakt

Klaus Burkhard
Petrus-Waldus-Str. 14
64372 Ober-Ramstadt
Germany

Telefon: +49 (0)6154-60 88 304
Mobil: +49 (0)1578-82 80 702
email: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!