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Ich habe verstanden.

Das ist jetzt alles aber maßlos übertrieben! Oder doch nicht?

Veröffentlicht am 10. Januar 2015
Zugriffe: 2819

UL-Segelflug.de/images/TC_Arbeitsschutz_Atemmaske+Schutzanzug_2025.jpgSchutzhandschuhe, na gut. Augenschutzbrille, naja, meinetwegen. Aber Atemschutzmaske und "Kapuzen-Strampelmann"? Man kann natürlich alles übertreiben! Schließlich ist die Harzerei doch halb so schlimm. Die heutigen Harze "stinken" kaum noch. Sie "beißen" auch nicht beim Einatmen der Dämpfe in der Lunge. Was soll denn an den Epoxidharzen so gefährlich sein? Die ganze Schutzausrüstung kostet schließlich einen Haufen Geld. Und Geld hat der Verein sowieso nicht genug und das was da ist, wird viel nötiger für ganz andere Dinge gebraucht.

Solche oder ähnliche Kommentare sind auf meine beiden Blogs mit dem Titel "Epoxidharze: Technisch geniales Teufelszeug" und "Leitfaden für den richtigen Umgang mit Epoxidharzsystemen" per Email eingetroffen.Allerdings gab es auch andere Stimmen von Kollegen, die im Verein belächelt werden, wenn sie bei Harzarbeiten das gesamte Schutzausrüstungsprogramm anlegen. Keiner wollte seine persönliche Meinung aber als öffentlichen Kommentar in den Blogs hinterlassen, schließlich weiß man ja nie, wie andere darüber denken. Und der Gefahr, dabei von den eigenen Vereinskameraden als "Nestbeschmutzer", "Weichei" oder "Warmduscher" verspottet zu werden, mochte sich bisher keiner aussetzen. Nur zu verständlich.

UL-Segelflug.de/images/HT/Lampe_in_Vollausruestung.jpgEinzig mein alter Freund Lampe (Frank-Dieter Lemke) hat sich bisher offen zur Vollschutz-Ausrüstung bekannt. Lampe (Akaflieg-Spitzname), der beim Fliegerclub Strausberg fliegt und dort nicht nur als Fluglehrer, sondern seit Jahrzehnten auch als WL1 (Werkstattleiter Holz- & Gemischtbauweise) und WL 2 (Werkstattleiter Verbundwerkstoffe) tätig ist, nimmt es mit Gelassenheit hin, wenn sich seine Vereinskameraden wieder einmal über seine "Werkstattkostümierung" kräftig amüsieren. "Ich finde es verheerend, wenn z.B. mit billigstem Mundschutz laminiert, also dabei kein Atemschutzgerät getragen wird. Aber auch mit Atemschutzgerät ist immer für eine ausreichende Be- und Entlüftung zu sorgen. Ebenso verwerflich ist das Tragen eines einfachen Mundschutzes beim Schleifen von Bauteilen aus Glas- oder Kohlefaser - so etwas sehe ich immer wieder (wie auch den Verzicht auf Handschuhe). Mir sträuben sich dabei die Haare! Auch hier empfehle ich das Atemschutzgerät. Übrigens gehört auch ein perfekt funktionierender Industrie-Staubsauger in die Werkstatt - und zu saugen ist nach jedem Werkstattdienst und in jeder Ecke".
Soweit also die Meinung eines WL-Kollegen, der mit seiner Gesundheit verantwortungsvoll umgeht und auch seine Vereinskameraden immer wieder dazu anhält. Und die Meinung von Lampe kann ich an dieser Stelle nur voll und ganz unterstreichen!

Zu meiner eigenen Schande muss ich allerdings gestehen, dass ich in der Vergangenheit selbst "geschludert" habe, was meine PSA (Persönliche Schutz-Ausrüstung) betrifft. Doch das hat sich zwischenzeitlich grundlegend geändert. Die Recherchen zum Thema "Umgang mit Epoxidharzen" und dem Verfassen meiner beiden Artikel, haben in meinem Kopf einen roten Schalter umgelegt. Seither werden Laminier, Bohr- und Schleifarbeiten an Gfk- oder CfK-Bauteilen nur noch in oben beschriebener Vollausrüstung durchgeführt.
In den letzten Tagen hatte ich an einer Form für mein neues Banjo-Instrumentenbrett gearbeitet, wobei Epoxidharz und Glasfaser-Gewebe zum Einsatz kam. Im Verlauf der Herstellung musste auch mehrfach geschliffen werden. Früher kam bei solchen Schleifarbeiten hauptsächlich der Bandschleifer zum Einsatz, der zwar den größten Teil des Schleifstaubs in einen Leinensack geblasen bzw. damit aufgefangen, aber auch jede Menge Feinstaub in der Gegend herumgeblasen hat. Heute schleife ich in Innenräumen nur noch per Hand, so dass der Schleifstaub auf und neben dem Werkstück liegen bleibt. Und einfach weggeblasen wird der jetzt auch nicht mehr, sondern mittels einem unter meiner Werkbank stehenden Kärcher-Sauger in regelmäßigen Abständen fein säuberlich abgesaugt.

Was den Umgang mit Epoxidharz-Systemen und den damit einhergehenden Gesundheitsgefahren betrifft, bin ich im Rahmen meiner Recherchen auf einen weiteren und sehr interessanten Artikel mit dem Titel Epoxidharze im Flugzeugbau gestoßen der auf der Website des ÖGD Baden-Württemberg (Öffentlicher Gesundheits-Dienst Baden-Württemberg) zu finden ist. Mit Genehmigung der Verfasserin, Frau Dr. Cornelia Einsele, möchte auszugsweise daraus zitieren:

"Eine Häufung von Hautkrankheiten in einer Segelflugzeug-Firma ist vor allem auf die manuelle Verarbeitung der hier nicht ersetzbaren Epoxidharze zurückzuführen. Von den noch nicht ausgehärteten Harzen und deren Komponenten geht bei direkter Berührung mit der Haut eine große Allergiegefahr aus. Bei eingetretener Sensibilisierung sind die Erkrankten meist gezwungen, den Betrieb zu verlassen. Schutzmaßnahmen sind daher peinlichst zu beachten, die Sorgfalt jedes Einzelnen ist besonders gefragt".

"6 von 40 gewerblichen Arbeitnehmern einer Firma für Segelflugzeugbau mussten im Zeitraum von März 1998 bis September 2000 aus gesundheitlichen Gründen den Betrieb verlassen, nachdem sie dort zwischen 2 und 40 Monaten beschäftigt waren. Wegen Hautkrankheiten in Folge von Berufsstoff-Allergien, welche sich an Händen, teilweise auch im Bereich von Unterarmen, Gesicht und anderen Körperstellen bemerkbar gemacht hatten, waren sie hierzu gezwungen.
5 der Erkrankten wiesen Spättyp-Allergien auf Epoxidharze, davon einer zusätzlich auf Konservierungsstoffe auf. Bei einem Erkrankten wurde eine Soforttyp-Allergie auf Latex und Spättyp-Allergien auf Kolophonium und Kobalt nachgewiesen".

"Nach dem Urteil der hautfachärztlichen Gutachter und des Gewerbearztes wurden die Hautkrankheiten der 6 Beschäftigten durch die Tätigkeit im Segelflugzeugbau verursacht. Der zuständige Unfallversicherungsträger hat in 5 Fällen eine Berufskrankheit gemäß Nummer 5101 der BKV (schwere oder wiederholt rückfällige Hautkrankheit) anerkannt. Bei einem Fall waren die versicherungsrechtlichen Voraussetzungen noch nicht erfüllt, da die schädigende Tätigkeit bereits nach 2 Monaten aufgegeben wurde und es noch nicht zu einer schweren oder wiederholt rückfälligen Hautkrankheit gekommen war".

"Hautkrankheiten in Folge von Epoxidharz-Allergien werden bei Beschäftigten, die diese Harze in Form von Zwei-Komponenten-Klebern, -Farben und -Laminiermitteln verarbeiten, häufig beobachtet. Ist in Folge direkter Berührung mit der Haut oder - was seltener ist - durch die Einwirkung von Harzdämpfen eine Sensibilisierung eingetreten, ist die Überempfindlichkeit meist sehr stark ausgeprägt und bleibt lebenslang bestehen. Allergische Hauterscheinungen, besonders im Gesichtsbereich treten dann bereits auf, wenn sich die Betreffenden in einem Raum aufhalten, in dem mit Epoxidharzen gearbeitet wird. Dies zwingt dazu, die schädigende Tätigkeit aufzugeben und sogar den Betrieb zu verlassen".

Aus Platzgründen wurde der Artikel hier stark gekürzt. Der Inhalt ist jedoch höchst interessant und sollte unbedingt einmal heruntergeladen und auch gelesen werden.

Fazit:
Laminier-, Bohr und Schleifarbeiten an GfK- oder CfK-Bauteilen werden nur noch mit Vollschutzausrüstung durchgeführt, d. h. richtige Schutzhandschuhe, Einweg-Schutzanzug mit Kapuze und Gummibund an Ärmeln und Beinen, geschlossene Schutzbrille sowie Atemschutzgerät (nicht nur Staubmaske). Absolutes MUSS!

Nach Abschluss der Arbeit bzw. am Ende des Werkstatteinsatzes wird gründlich gesaugt, Harz und Härter weggeräumt, kontaminiertes Werkzeug gesäubert und alles in den Werkzeug- und Materialschrank zurück verstaut. Arbeitskleidung bleibt in der Werkstatt oder wird entsorgt.

Essen und Trinken (auch Rauchen) sind in der Werkstatt tabu. Und in der Werkstatt sollte sich nur aufhalten, wer unmittelbar mit der Harzerei oder Schleiferei was zu tun hat. Andere bleiben in dieser Zeit draußen.

Billigharz und Billighärter von Ebay kommt nicht mehr zum Einsatz, denn teurere Epoxidharzsysteme haben nach meinen Recherchen ein weitaus niedrigeres Gesundheitsrisiko.  Und wer zu seinen Epoxidharz-Systemen auf seiner Website oder im Webshop keine Sicherheitsdatenblätter zum Download hinterlegt, der kommt auch nicht auf die interne Lieferantenliste. Egal wie günstig er seine Ware anpreist.

R&G hat nach eigenen Angaben in letzter Zeit viel Aufwand und Geld in Neuentwicklungen investiert, die bei gleichen Eigenschaften weit weniger Gefahrenpotential aufweisen. Beispielsweise kommt der neuentwickelte Härter L jetzt ohne Nonylphenol und DETA aus und hat dabei noch bessere Festigkeiten als der Vorgänger. Einziger Nachteil: Die neue Härtergeneration ist etwas teurer geworden. Das sollte einem die eigene Gesundheit aber auch wert sein.

Im Übrigen weist R&G auf Anfrage auch darauf hin, dass das Gefahrenpotential eher von den Härtern als von den Harzen ausgeht. Harmlos sind aber auch die Harze nicht, weshalb einmal geöffnete Gebinde grundsätzlich nur mit entsprechenden Shutzhandschuhen angefasst werden sollten. Nach Entnahme der Harz- oder Härtermenge wird das Gebinde sofort wieder sorgfältig verschlossen.

Ich würde mich freuen, wenn ich den einen oder anderen Kameraden mit meiner Artikelreihe ebenfalls zum Umdenken bringen könnte, wenn sich viele Kameraden mit den Gesundheitsgefahren beschäftigen würden, die in unseren Vereinswerkstätten ständig auf uns lauern. Und, wenn die "Alten Hasen" in Zukunft mit gutem Beispiel vorangehen würden, damit sich die "Neuen" und insbesondere die "Jungen" an den verantwortungsvollen Umgang mit Arbeitsschutzmitteln gewöhnen würden.

Auch bei der Ausbildung zum Zellenwart (Z1 & Z2) sowie zum Werkstattleiter (WL1 & WL2) sollten die Veranstalter dem Thema Richtiger Umgang mit Gefahrstoffen in der Vereinswerkstatt - bestimmungsgemäße Schutzausrüstung verwenden Beachtung schenken. Alleine ein paar Seiten dazu in einen Ordner zu heften und zum Selbststudium zur Verfügung zu stellen, reicht an dieser Stelle bei Weitem nicht aus. Mit dieser staubtrockenen Materie befasst sich nach einem Lehrgang ganz sicher niemand mehr.

Ein Blick in meinen Schulungsordner vom WL1-Lehrgang vor ein paar Jahren zeigt, dass dort natürlich auch ein paar Merkblätter zum Thema "Verarbeitung von Polyester- und Epoxidharzen" abgeheftet sind. Allein die Form und Aufmachung der Seiten verleitet aber nicht dazu, den dort dargebotenen Stoff im Nachgang zu Hause aufzuarbeiten und sich eingehender damit zu beschäftigen. Holschuld - Selbstverpflichtung zur Information; alles sicherlich richtig, geht aber am Kern des Problems vorbei. Solche schwer verdauliche Inhaltsstoffe müssen pädagogisch sinnvoll aufbereitet sein, ansonsten verfehlen sie ihr eigentliches Ziel auf ganzer Linie.

Es gibt bekanntlich viele Krankheiten, aber nur eine Gesundheit! Und die sollten wir uns mit allen (Schutz)-Mitteln versuchen zu erhalten!

In diesem Sinne: Frohes und sicheres Harzen.

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