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Openvario Segelflug-Computer zum Eigenbau

Veröffentlicht am 09. Februar 2015
Zugriffe: 9141

http://UL-Segelflug.de/images/TC/Openvario_Flight-Computer_asw24_Copyright_Akaflieg-Graz.jpgNormalerweise steht bei Akafliegern bekanntlich der Bau hochkarätiger Segelflugzeugkonstruktionen auf dem Programm, mit denen der "gemeine Segelflieger" wenig bis überhaupt nicht in Berührung kommt. Allesamt ganz sicher tolle Konstruktionen, die im Laufe der letzten Jahrzehnte in den akademischen Forschungstempeln der Hochschulen das Licht der Welt erblickten. Doch im Gegensatz zu früher fristen die akademischen Erlkönige ihr Dasein lediglich als Einzelstücke. Mit einem "DIY Flight-Computer für Jedermann" hat jetzt eine Entwicklergruppe der Akaflieg-Graz einen ganz anderen Weg beschritten und ein bemerkenswertes "Selbstbau-Gerät" für Amateurbauer mit großflächigem Farb-Display entwickelt.

Während das Grundkonzept den Vorstellungen einiger Akaflieger entsprungen ist, haben sich schon frühzeitig ein paar kluge Köpfe außerhalb der Grazer Akaflieg von der Idee eines Selbstbau Segelflug-Rechners infizieren lassen und ihr Fachwissen in die Projektentwicklung eingebracht. Das fertige Gerät kann sich wahrlich sehen lassen und braucht den Vergleich mit industriell gefertigten Flight-Computern keineswegs zu scheuen. Ganz im Gegenteil!

http://UL-Segelflug.de/images/GT/Openvario_Flight-Computer.jpg

Abgesehen von den Hardware-Teilen, die jeder Selbstbauer natürlich selbst beschaffen und bezahlen muss, handelt es sich bei der zur Anwendung kommenden Software durchweg um Opensource Produkte, die man auf "Openvario.org" kostenlos herunterladen kann. Materiallisten, Schematik-Zeichnungen, Software für das verwendete Betriebssystem und XCSoar, sowie ein ausführliches PDF mit detaillierten Fotos der Einzelkomponenten inkl. ausführlicher Bauanleitung und Beschreibung zur Herstellung: alles steht im Netz bereit und wartet darauf, von möglichst vielen Fliegern heruntergeladen und auch nachgebaut zu werden.

Ein kleiner Stolperstein auf dem Weg zum eigenen Flight-Computer könnte für den einen oder anderen Bauwilligen allerdings sein, dass die Website von Openvario ausschließlich in englischer Sprache zur Verfügung steht. Mit freundlicher Unterstützung eines Vereinskameraden sollte letztlich aber auch diese kleine Barriere überwindbar sein.

Gemeldete Bauprojekte gibt es bereits in Österreich (2), Deutschland (6), Schweiz (3), Niederlande (2), Norwegen (2), Italien (1), Polen (1) sowie in den USA (1). Doch oftmals verbergen sich hinter den einzelnen Namen der registrierten Gerätebauer auch mehrer Geräte, so dass die derzeitige Gesamtzahl der Bauprojekte tatsächlich weit höher ist, als dies bei den insgesamt 17 Standortmeldungen auf den ersten Blick zu vermuten wäre.

Während einige Geräte bereits fertiggestellt und in Betrieb genommen sind, befinden sich andere in der Bau- bzw. Materialbeschaffungsphase, weitere auch erst noch in der Planungsphase. Und während einige der "Registered Builders" den Bau von mehreren Exemplaren (Clubs) in teils unterschiedlichen Bauausführungen gemeldet haben, dürfte die "Dunkelziffer der heimlichen Bauprojekte" indes weit höher sein. Schließlich macht erfahrungsgemäß nicht jeder sein Bauprojekt mittels namentlicher Registrierung publik, sondern bastelt zu Hause im stillen Kämmerlein ganz für sich allein und "unter strengster Geheimhaltung" vor sich hin. Schade, denn schließlich handelt es sich um ein für uns Flieger wertvolles Projekt, für das andere Kameraden viel Zeit und Mühe investiert haben und auch jetzt noch immer investieren, um diesen hochwertigen Navigations-Computer jedem kostenlos zur Verfügung zu stellen. Die namentliche Meldung wäre somit auch ein Zeichen der Wertschätzung an die Konstrukteure, für die die Anzahl der Nachbauten der "Lohn ihrer Bemühungen" ist.

http://UL-Segelflug.de/images/GT/Openvario_Projekt-Atlas.jpg

Die Publikmachung des eigenen Projektes als "Registered Builder" hat dabei für alle einen Vorteil. Denn wer beim Bau oder bei der Materialbeschaffung auf Probleme oder Schwierigkeiten stößt, der kann ggf. Kontakt mit anderen Selbstbauern aufnehmen, um von diesen zusätzliche Tipps und Tricks zu erfahren, oder sich an der Tauschbörse zu beteiligen bzw. davon zu profitieren. Schließlich sind die Einzelkomponenten u. U. nicht immer in so geringer Menge wie benötigt zu bekommen. Vielleicht gibt es beim Lieferanten aber auch einen Mindestbestellwert, so dass man mehr Teile bestellen muss als zum Bau des Rechners tatsächlich benötigt werden. In diesen Fällen kann man versuchen, das eine oder andere Teil über das "Builders Blackboard" anderen zur Verfügung zu stellen, oder überzählige Teile von anderen kostengünstig zu beziehen.

http://UL-Segelflug.de/images/GT/Openvario_Flight-Computer_Copyright_openvario-org.jpg

Eingebaut und in Betrieb genommen besticht die Grazer Hightech-Konstruktion nicht nur mit schlichter Eleganz, sondern auch mit problemloser Bedienbarkeit und einem gut ablesbaren weil reflexionsarmen Farbdisplay. In der oben zu sehenden Bauausführung ist das Gerät mit einem 7"-Farbdisplay bestückt. Im fertigen Zustand hat es die Abmessungen von 168 x 106 x 80 mm und wiegt ca. 760 Gramm. Die Materialkosten belaufen sich auf ca. 400 - 500 €, wobei das 7"-Display mit ca. 130 € als teuerstes Bauteil zu Buche schlägt. Kleinere Displays mit beispielsweise 5,7" oder 4,3" Bildschirmdiagonale des gleichen Herstellers gibt es auch schon etwas günstiger.

Wer seine persönliche Ausführung ggf. etwas abspecken will und dabei z. B. auf Kompass, Beschleunigungsmesser etc. verzichtet, der kann damit die Materialkosten weiter drücken. Das Schöne an diesem Projekt ist auch, dass jeder seinen persönlichen Computer bauen kann, der an die eigenen Bedürfnisse angepasst werden kann.

Eine vernünftige Vorgehensweise wäre dabei auch, den Navigationsrechner mit einer Gruppe im Verein zu bauen, so dass mehrere Geräte gleichzeitig entstehen. Diese Vorgehensweise ändert zwar so gut wie nichts am Bau- und Zeitaufwand des Einzelnen, doch gemeinsam macht die Sache sicher viel mehr Spaß und außerdem kann man sich dabei gegenseitig noch "befruchten".

Für Leute mit Smartphone oder Tablett könnte auch eine sog. "Headless-Variante" ohne das oben gezeigte Display entwickelt werden, was den Gesamtpreis weiter reduzieren würde. Und ULSF´ler, die bei zusätzlichen Geräteeinbauten natürlich mit jedem Gramm geizen müssen, könnten selbstverständlich auch vom Alu-Gehäuse abweichen und ein Kunststoffgehäuse bauen. Und in Verbindung mit dem kleineren 5,7" Display hätte der Openvario Flight-Computer sicherlich auch in einem Banjo-Cockpit Platz. Wäre eine Überlegung wert, obwohl ich jetzt gerade die dritte und finale Version meines I-Bretts fertiggestellt habe. Doch für diesen kleinen "Zauberkasten" könnte ich mich sicherlich noch einmal mit der unangenehmen "Epoxy-Pest" auseinander setzen.

Wie bereits eingangs erwähnt, gibt es für den Bau eine ausführliche Fotodokumentation, die von der Projekt-Website in Form eines PDF´s heruntergeladen werden kann. In 42 Bildern ist der gesamte Bau in einzelnen Schritten fotografisch dokumentiert, so dass man kein Computerspezialist sein muss, um am Ende einen hochkarätigen Flight-Computer zu besitzen.

http://UL-Segelflug.de/images/GT/Openvario_Bauanleitung-Fotodokumentation_auszugsweise.jpg

Die zuvor abgebildete Fotodokumentation der ausführlichen Bauanleitung zeigt lediglich beispielhaft acht der insgesamt 42 Detailbilder.

Perfektionieren kann man das Ganze noch mit einer selbstgebauten "Knüppel-Fernsteuerung", über die sich der Flight-Computer in komfortabelster Art und Weise bedienen lässt.

http://UL-Segelflug.de/images/GT/Openvario_Stick-Remote.jpg

 

http://UL-Segelflug.de/images/TC/Openvario_Mechanical-Gauge-Vario.jpgDa es sich um ein Projekt von Segelfliegern für Segelflieger handelt, fließen selbstverständlich Erkenntnisse aus langjähriger Segelflugpraxis mit in die Überlegungen für die Auslegung ein. Und da Segelflieger mit Streckenflugerfahrung wissen, dass der eine oder andere Kollege zusätzlich gerne auch ein mechanisches Vario im Instrumentenbrett sehen möchte, wird dieser Wunsch in einem Zusatzprojekt Berücksichtigung finden. Im Moment befindet sich dieses Zusatzprojekt jedoch noch in der Planungsphase und kann somit noch nicht veröffentlicht und zum Selbstbau angeboten werden. Interessant ist dabei auch die Integration einer LED-Laufanzeige, an der der Anströmwinkel abgelesen werden kann, der von einem an der TEC-Düse angebrachten Eigenbau-Sensor gemeldet wird und somit einen wertvollen Beitrag zur Flugsicherheit leistet.

Fazit
Der Grazer Flight-Computer ist ganz sicher ein bemerkenswerter Schritt in die richtige Richtung, um den Segelflug auch in Zukunft bezahlbar zu gestalten. Mit etwas zeitlichem Aufwand können so auch Segelflugpiloten in den Genuss eines hochkarätigen Bordcomputers kommen, die sich aus finanziellen Gründen bisher meist mit "ausrangierten" Gebrauchtgeräten begnügen müssen und somit dem Stand der Technik im Flugzeug-Cockpit immer ein paar Geräte-Generationen hinterher hinken. Schön zu wissen, dass es in unseren Reihen Leute gibt, die ihre Zeit und ihr Know-how anderen Fliegern nicht nur für Bares zur Verfügung stellen, sondern ihr Gehirnschmalz und die daraus hervorgehenden Ideen und Entwicklungen völlig uneigennützig und kostenlos zur Verfügung stellen.

An dieser Stelle gilt dem gesamten Entwickler- und Betreuer-Team mit Michael Huber, Gernot Hehn, Timo Bruderek, Andreas Wasserbauer, Stefan Langer, Guido Probst und Rudi Schlesinger ein ganz besonderes Lob für ihre Entwicklung und in diesem Zusammenhang natürlich auch ein Dank, insbesondere auch für die Zustimmung zur Nutzung von Bild und Textmaterial, ohne die der Artikel nicht möglich gewesen wäre.

Weitere Artikel zum Thema:

Workshop "Openvario" Flight-Computer bauen
OpenVario-Light vorerst vom Tisch
Auch eine Senkrecht-Variante wäre durchaus denkbar

Kommentare   

 
#1 GüntAIR 2015-02-19 19:19
Gratuliere, unsere nächsten kalten Winter sind damit bereits von der Langeweile befreit ;-)
 

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