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Ich habe verstanden.

Schweinerei im Banjo-Cockpit

Veröffentlicht am 20. Juli 2014
Zugriffe: 2666

http://UL-Segelflug.de/images/TC/Kilo_Bravo_1429.jpgEigentlich war es ein ganz normaler Flug, wobei mein Tagesziel ein Flug so lange wie nur möglich war. Es war der achte Flug in Folge auf meinem erst kürzlich erworbenen Banjo. Inzwischen hatte ich einige Veränderungen im Cockpit vorgenommen und die optimale Sitzposition im letzten Loch der Rückenlehnenstange gefunden. Fünf Stunden Flugzeit sollten bei diesem Flug mindestens herauskommen. Nicht weniger, sondern höchstens mehr! Es sollte die zweite Silber-C in meinem langen Fliegerleben werden, diesmal absolviert in einem UL-Segelflugzeug.

In den Tagen zuvor hatte ich bereits die ersten Testflüge auf der Kilo Bravo absolviert. Der erste Fünfstunden-Versuch ging schief, da ich diesen nach 3:22 Stunden wegen eines sich gefährlich anmutenden Systemdruckanstiegs im Abwassertank abbrechen musste. Dummerweise hatte ich an diesem Tag bei Flugantritt überhaupt nicht damit gerechnet, dass ich fünf Stunden in der Luft bleiben könnte, weshalb ich aus rein wirtschaftlichen Überlegungen auf den Einbau meiner Abwasser-Entsorgungseinrichtung verzichtet hatte. Nach 3:22 Stunden Flugzeit war die Sache nicht mehr lustig, so dass ich mich zum Abbruch des Fünfstundenfluges entschied und außerplanmäßig vorzeitig gelandet bin. Das war einerseits zwar ärgerlich, doch halb so schlimm. Schließlich hatten die Meteorologen auch für die nächsten Tage gutes Flugwetter vorhergesagt. Obwohl - was die so prognostizieren und dann wirklich eintrifft, dazwischen liegen ja bekanntlich oftmals Welten.

Am 16. Juli 2014 war es wettertechnisch wieder mal soweit, dass ich einen neuen Langzeitflug wagen konnte. Da die Wetter- und Thermikprognosen an diesem Tag recht vielversprechend waren, hatte ich sowohl die bordseitige Abwasser-Entsorgungseinrichtung als auch den dafür notwendigen Adapter installiert.

Der Start erfolgte auf dem Berg der UL-Segelflieger um 12:06 Uhr LT, bei voraussichtlicher Thermik bis ca. 20:00 Uhr LT. Genügend Zeit, um einen persönlichen Banjo-Zeitrekord zu fliegen. Als Reiseproviant hatte ich zwei Äpfel, zwei Bananen sowie einen Liter Apfelsaftschorle gebunkert. Alles selbstverständlich nicht nur fest und gut verstaut, sondern auch im Flug erreichbar.

Nach zwei Äpfeln, einem halben Liter Schorle und etwa drei Stunden Flugzeit meldeten meine systeminternen Sensoren einen markanten Systemdruckanstieg. Kein Problem, schließlich war ich auf diese Situation bekanntlich optimal vorbereitet. In einem Dreimeterbart schaffte ich mir Erleichterung, so dass der Steigflug problemlos fortgeführt werden konnte. Jetzt mussten die Bananen dran glauben, die wieder mit Apfelsaftschorle hinuntergespült wurden. Erneuter Systemdruckanstieg, der wie zuvor auf natürliche Weise abgebaut werden konnte.

Nach der vierten Entlastung kamen mir dann doch langsam Zweifel, ob der bordeigene Abwassertank mögliche weitere Druckentlastungen aufnehmen könnte. Ein kurzer Griff unter den Sitz und ein dezenter Druck auf den Beutel ergab eine ungefähre Auskunft über den Füllstand und den dort vorhandenen Tankdruck. Alles im grünen Bereich. Gefühlt war noch genügend Restvolumen für einen weiteren Systemdruckabbau vorhanden.

Um 15:06 Uhr war die Flugzeit von 5:00 Stunden und somit das gesetzte Tagesziel in einer Höhe von 1.900 m/MSL erreicht. Meine Sitzposition war weiterhin sehr komfortabel und das Entsorgungssystem intakt. Also entschied ich mich für die Fortsetzung des Fluges, so lange die Thermik aktiv bleiben und mich und mein Banjo in der Luft halten würde. Hammerwetter pur. Eine Schande, wenn man jetzt nicht weiterfliegen würde.

Vierzig Minuten später erneuter Systemdruckanstieg bis in den roten Bereich. Zur Vergewisserung der Restaufnahmekapazität des Abwassertanks, nochmaliges Ertasten der Tankfüllung. Alles "gefühlt normal", der menschlichen Druckentlastung konnte freier Lauf gelassen werden, schließlich war die Thermik weiterhin so gut, dass ich mit meinem Banjo noch mehrfach über 2.000 m MSL steigen konnte. Auf Grund der vorhandenen Restkapazität bestand weiterhin kein Grund zum Flugabbruch. Um 15:30 Uhr dann die Gewissheit: Irgend etwas stimmt hier nicht. Bei erneuter Betastung zwecks Einschätzung des Füllstandes meines Abwassertanks überkommt mich das unangenehme Gefühl, dass sich der Tankinnendruck reduziert haben könnte. Es fühlte sich spürbar weicher an. Zusätzlich hatte ich diesmal auch feuchte Finger. Sollte der Abwassertank inzwischen leck geschlagen sein? Mir schwante Fürchterliches!

Full Flaps in ca. 1.600 m über Sobernheim mit 23-minütigem Gewaltabstieg. Eine fliegerische Todsünde, die spürbar in der Fliegerseele schmerzt, denn selbst mit voll gezogenen Klappen steigt das Banjo an etlichen Stellen einfach weiter.

Nach Stillstand am Boden, also ohne Luftdurchsatz der bordeigenen Klimaanlage, steigen mir unverwechselbare Gerüche in die Nase, die sofort den Grund der zuvor gefühlten feuchten Finger bestätigen. Nachdem das Cockpit leergeräumt und alle Sachen ins Trockene gebracht waren, konnte ich die "gelbe Bescherung" unter dem Sitz auch visuell erfassen. Schweinerei im Banjo-Cockpit - das hat gerade noch gefehlt. Obwohl, so schlimm war es dann ja auch wieder nicht, schließlich hatte ich in meiner SB5 bei Druckabbauversuchen schon ganz andere Katastrophen überstanden.

Eigentlich hätte ich es von meinen SB5-Versuchen wissen müssen: Der sicherste Systemdruckabbau geht einfach und problemlos per Drainageleitung über Bord. Die Zwischenlösung mit der Schweinerei eines leckgeschlagenen Auffangbehälter hätte ich mir eigentlich ersparen können. Durch das Gezerre und Betasten hatte eine spitze Glasfaser die Wandung des Auffangbehälters stecknadelfein durchstochen, wodurch der Behälter langsam aber sicher den Cockpitboden flutete.
UL-Segelflug.de/images/GT/Baroschrieb_Schweinerei_im_Banjo-Cockpit.jpg

Nun gut, der leckgeschlagene Auffangbehälter war am nächsten Tag bereits Geschichte und durch eine direkte Ablassleitung seitlich am Rumpfboden ersetzt. Ein erster Druckablass über dem Hunsrück hat beim nächsten Flug erwartungsgemäß problemlos funktioniert. Da das "yellow liquid" beim Austritt in die Atmosphäre natürlich sofort fein zerstäubt wird, kommt davon am Boden selbstverständlich nichts mehr an. Die Methode kann ich jedem Flieger somit nur wärmstens empfehlen.

Kommentare   

 
#1 Kernbachh René 2014-07-22 21:35
Hallo Klaus,
ich kann mich noch sehr gut an deine Sauereien im Sb5 Cockpit erinnern. War recht amüsant für die Zuhörer. Nach der Rückkehr zur bewährten Technik aus dem V steht weiteren Langzeitflügen ja nichts mehr im Wege.
:-) René D-4621
 
 
#2 Uli Heidenreich 2014-07-23 21:23
31/2 Stunden ist für mich ein Kurzflug,bei dem ich noch nie Probleme Deiner Art hatte. Bei 1 ltr. Trinkmenge muss man Probleme kriegen. Ich habe auf langen Flügen nur Gelbe Rüben geknabbert. Diese ziehen etwas Speichel, es gibt keine Verschluckmöglich-keit und Durst haben darf man später! Ein Brotpapier habe ich mal rausgeworfen, so daß mein Fahrtmesser nichts mehr anzeigte, da ich das Papier mehrfach bei gleichem Sinken anflog. Erst nach einem "schlampigen Turn" zeigte dieser wieder an. Und Gras gesammelt habe ich auch schon über das Kabinenfenster mit den Fingern in 1300 bis 1500 m Höhe. Und auf dem Parachute meines Heißluftballons saß schon mindestens 20 Min lang ein Vogel, der sich die Füße wärmte! Bei 58 Jahren Fliegerei erlebt man manches nicht übliches. Ein Fliegerkamerad hat schon erfolgreich in einen Plastikbeutel seinen Überdruck entsorgt und wollte diesen zum Schiebefenster rauswerfen, aber er platzte. Dagegen war Dein Malheur noch zweitrangig! Ich wünsche Flüge ohne Panne.
 
 
#3 Werner Metzger 2014-07-23 21:26
Hallo Klaus,
das habe ich in zwölf Jahren nicht geschafft,
fünf Äpfel hätten es auch getan.
Weiterhin viel Spass.!!!

Grüsse Werner
 

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