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Ich habe verstanden.

Na gut, dann zur Belohnung eben einmal "Sierra"

Veröffentlicht am 24. Juli 2014
Zugriffe: 2233

http://UL-Segelflug.de/images/Kilo_Bravo/TC_1373.jpgWieder einmal war ein guter Tag vorhergesagt, an dem ich meinen ersten "richtigen Streckenflug" wagen könnte. Nicht immer diese Wollknäuel über Sobernheim, die zwar auch Streckenkilometer bringen, aber am Ende doch nicht wirklich zufriedenstellend sind. Es ist der 17. Juli 2014. Ein warmer/heißer Tag mit Temperaturen weit über 30°C im Schatten. Und Schatten gibt es höchstens unter der Flugzeugfläche.

Im Segelflugwetterbericht des DWD wurde mäßige bis gute Thermik bei 1-3 Achtel CU zur Mittagszeit vorhergesagt, die im Laufe des Nachmittags in Blauthermik übergehen würde. Und das alles bei mäßigen Windgeschwindigkeiten in der Höhe zwischen 5 und 15 km/h. Nun gut, für eine kleine Strecke in meiner Kilo Bravo müsste die Thermik reichen und die geringen Windgeschwindigkeiten sind ja auch so gut wie optimal.

Los geht´s aber erst um 13:32 LT, da ich vorher keinen Schlepper zur Verfügung habe. Das war zwar etwas spät, denn zwischenzeitlich waren die 1-3 Achtel Cu über Bad Sobernheim in ein azurblaues Loch am Himmel übergegangen, was maximal gute Blauthermik bedeuten konnte. Macht aber auch nichts, schließlich kann auch Blauthermik fliegerisch nutzbar sein. Sicherheitshalber klinke ich nicht zu früh, sondern bleibe bis auf 500 m/GND fest am Strick der FK 9. Nach dem Ausklinken geht es erst mal wieder bergab, wobei ich fast 200 m Höhe verliere. Kein vielversprechender Anfang, aber was nicht ist kann ja noch werden.

In 330 m finde ich mich schon fast mit einer bevorstehenden Landung ab, dann endlich treffe ich den unsichtbaren blauen Bart. Acht Minuten später zeigt der digitale Höhenmesser 1.300 m, weitere zehn Minuten später und nach mehreren guten Bärten an unterschiedlichen Stellen bereits 1.500 Meter über Platz.

Tief unter mir liegt Pferdsfeld, ein alter und stillgelegter Militärflugplatz der Bundeswehr, auf dem bis Juli 1997 das Jagdgeschwader 73 (JG 73) seine Heimatbasis hatte.

http://UL-Segelflug.de/images/GT/Pferdsfeld_aus_dem_Banjo_1465.jpg
Nachdem die Bundeswehr von Pferdsfeld abgezogen war, ist der Fliegerhorst zu einer riesigen Solaranlage mutiert; Startbahn und Rollwege werden von Opel für Fahrzeugtests genutzt. Ein toter Flugplatz, wie es zwischenzeitlich bei uns viele gibt. Im Norden von Pferdsfeld steht zwar eine lange Wolkenreihe, doch über mir ist nur ein riesengroßes blaues Loch, durch das ich bis tief in den Orbit sehen kann. Nun ja, man sollte die Hoffnung nie aufgeben, dass sich auf meinem Weg nach Westen doch mal wieder ein paar kleine Cumulanten blicken lassen. Ich folge der Nahe in westlicher Richtung und lasse den Segelflugplatz Kirn in 1.000 m Höhe links liegen. Idar-Oberstein liegt jetzt bereits zum Greifen nah. Aus dieser Höhe kann ich somit beruhigt in dieser Richtung weiterfliegen. Noch einmal kann ich über dem Nahetal an einem Steinbruch 300 Höhe machen, dann ist der Aufstieg aber erst einmal vorbei.

UL-Segelflug.de/images/HT/EDRS_nach_Idar-Oberstein.jpgUnaufhaltsam verliert mein Banjo an wertvoller Höhe, so dass ich Idar-Oberstein in 650 m/AGL erreiche. Noch ist nicht alle Hoffnung vergebens, denn gut 1.000 m über mir mache ich unter einem blauen Dunstschleier ein Langohr aus, das dort im Steigen zu kreisen scheint. Nichts wie hin und entlang der Idar-Obersteiner Hangkanten, von wo der Langohr-Bart zu kommen scheint. Noch einmal schaffe ich es auf über 900 m/AGL zu steigen - dann verließen sie ihn ein für allemal.
Vorsichtshalber höre ich auf der Frequenz von Idar-Oberstein Info schon einmal in den Funkverkehr hinein - dort ist nichts los. Ich melde mein lautloses "Herantasten" an den Platz mit möglicher Landeabsicht, sollte ich hier keine Thermik mehr erwischen. Noch besteht kaum Aussicht auf den heiß ersehnten Hammerbart, der mich in sichere Höhendifferenz zum Flugplatz spülen könnte.
Vom freundlichen Flugleiter erhalte ich auf Anfrage und mangels Motorflugverkehr bereitwillig die Zustimmung, es am "Hotspot Krankenhaus" ein letztes Mal zu versuchen. Außer ein paar zaghaften "Lupfern", die zwar ein paar lausige Höhenmeter bringen aber nicht zum Hammerbart mutieren, ist die Thermik ringsum derzeit abgestellt. Jetzt ist mir endlich klar: Ich hab den Streckenflug im Banjo wieder mal versemmelt - ich muss runter.

Endanflug und anschließende Landung sind zumindest optimal, so dass ich das Banjo auf dem Abstellplatz direkt vor dem Turm zum Stehen bringe. Wenigstens dabei habe ich mich heute nicht blamiert. Der Flugleiter begrüßt mich am Eingang zum Gebäude freundlich und setzt sich mit seiner Handfunke sofort wieder an den Schwenkgrill. Flugleiter und Grillmeister werden in Idar-Oberstein bekanntlich in Personalunion ausgeführt.

UL-Segelflug.de/images/HT/Rueckschlepp-Bestellung_1449.jpgNachdem ich mich telefonisch in Bad Sobernheim gemeldet, meine Landung in Idar-Oberstein bekannt gegeben und um Abholung per F-Schlepp gebeten habe, bleibt mir genügend Zeit um auf der Flugplatzterrasse ein gut gekühltes Apfelsaftschorle zu konsumieren, das bei der Hitze auf halbem Weg nach unten zu verdunsten und nichts im Magen anzukommen scheint.

UL-Segelflug.de/images/HT/Obersteiner_Spiessbraten_1453.jpgNa gut - wenn ich schon unbeabsichtigt in Idar-Oberstein gestrandet bin, dann zur Belohnung eben einmal "Sierra", wobei es sich um eine Portion des legendären wie schmackhaften Idar-Obersteiner Spießbratens mit köstlichem Rettigsalat in Sahnesoße handelt, der dort vom Flugleiter persönlich am Schwenkgrill gebrutzelt wird. Auch ein "Lima" hätte mich gereizt, doch eine Idar-Obersteiner Schweinelende in örtlicher Größenordnung war mir bei dieser Affenhitze dann doch zu viel. Mal sehen, vielleicht beim nächsten Mal.

Das "Sierra" habe ich gerade verspeist, da meldet sich im Funk bereits die Oscar Bravo, mit der mich Uwe abholen und in Richtung Sobernheim zurückschleppen wird.

http://UL-Segelflug.de/images/GT/KiloBravo-Rueckschlepp_1457.jpg

Bis zur Landung meines Schleppers bleibt mir grade Zeit, mein Banjo ans westliche Ende der Startbahn zu schieben und alles für den Schlepp vorzubereiten. Seil einklinken - ab die Post. Drei Minuten später sind wir bereits wieder in der Luft und auf dem Rückschlepp Richtung Sobernheim. Ein letzter Gruß an Idar-Oberstein und ein kurzes Danke für die Gastfreundschaft und das schmackhafte "Sierra".

http://UL-Segelflug.de/images/GT/Kilo-Bravo_Rueckschlepp_1459.jpg

Zwischen Kirn und Sobernheim verabschiede ich mich erneut von meinem Schlepper; dort ist die Blauthermik immer noch aktiv, während auf dem ganzen Weg von Idar-Oberstein bis weit nach Kirn nur "tote Hose" war. Es folgt ein schöner Thermikflug von 4:01 Stunden, dann geht es zur Landung in Bad Sobernheim.

Eigentlich war das Ziel für heute ein kleiner Streckenflug von Sobernheim nach Idar-Oberstein und natürlich wieder zurück. Wenn es gut gelaufen wäre, vielleicht auch bis Hoppstädten, Sötern oder Kell an der Saarschleife und zurück, doch leider hat es wieder einmal nicht sollen sein. Inzwischen ist mir klar: Wahrscheinlich wird es noch lange dauern, bis ich an die Streckenergebnisse von Werner Metzger anknüpfen kann, sofern mir das überhaupt jemals gelingt.

Wenn nicht, dann ist das aber auch nicht weiter schlimm - Hauptsache Spaß beim UL-Segelflug.

http://UL-Segelflug.de/images/GT/Kilo-Bravo_1473.jpg

Kommentare   

 
#1 Werner Metzger 2014-07-29 21:36
Hallo Klaus,
in Idar-Oberstein, war deine KB letztes Jahr auch schon,
auch ich komme nicht immer 300 km weit.
Was experimentierst du mit den Fäden an den Streben.?
Schöne Grüße
Werner

Hallo Werner,
ja ich weiß, obwohl das so nicht ganz stimmt.
Im letzten Jahr war das Banjo noch unter dem "Namen aus erster Ehe - WM" unterwegs, diesmal unter dem Namen aus "zweiter Ehe als KB".
Aber vielleicht hat es ihr dort so gut gefallen, dass sie wieder mal nach Idar wollte.

Ich experimentiere gerade mit Wollfäden an einer alten und an einer neun Strebe, um die Strömungsverhältnisse zu vergleichen. Im Moment liegt die alte Strebe (bei meinem Schwerpunkt) strömungstechnisch vorne.

Grüße aus dem Odenwald

Klaus
 
 
#2 oswald michael 2014-08-02 16:47
Hallo Klaus,
ich kann Dich trösten, meine Streckenflug-
karriere wird wohl auch noch etwas auf sich
warten lassen.
Aber 2015 bis heute immerhin: 17 Starts mit 34 Stunden Gesamtflugzeit und ich merke
immer öfter, dass ich etwas falsch mache.
Gruß Michael
 
 
#3 Egbert Schnell 2014-08-10 15:45
Hallo Klaus !
Es ist immer ein Genuss, Deine Erlebnisberichte zu lesen. Meist kennen wir Segelflieger ja vergleichbare Situationen und können so weit "mitfühlen".

Freue mich auf weitere "Erlebnisberichte"
Gruss Egbert

W
 

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