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Ich habe verstanden.

Wenn der Ausstiegshilfe-Griff zum Katapult mutiert

Veröffentlicht am 18. September 2017
Zugriffe: 92

http://UL-Segelflug.de/mages/stories/S-Y-E/1702_Wenn_Ausstiegsgriff_zum_Katapult_wird/TS_Klaus_KB3_JU-Hintergrund.jpgDer Ausstiegshilfe-Griff im Song ist ohne Frage eine feine Sache. Schließlich erleichtert er, ganz besonders älteren Herren wie ich inzwischen einer bin, den Ausstieg aus dem Cockpit ganz erheblich. Man beugt den Oberkörper etwas vor, greift sich den Griff und zieht sich schwungvoll aus dem Sitz. Das mühevolle "Hochgehieve", womöglich noch mit Hilfestellung eines netten Fliegerkameraden, gehört somit der Vergangenheit an. Doch von Anfang an hat mich beim "Griff zum Griff" die Frage stets beschäftigt, ob die Carbon-Haltebänder, die mit je zwei Vierer-Schrauben vorne unterhalb der Kabinenhaube befestigt sind, auch jedes Pilotengewicht problemlos aushalten würden.

Doch ein freundlicher Kollege der es wissen muss, hat mich bei dieser blöden Frage auch sofort beruhigt: "Die Carbonbänder halten nicht nur dich, sondern auch weit korpulentere und gewichtigere Pilotenexemplare. Da brauchst du dir ganz sicher keine Sorgen machen".

Na gut, dann muss ich das mal eben glauben und bisher hat der Ausstieg aus dem Cockpit auf diese Weise ja auch immer problemlos funktioniert. Doch weil im wirklichen Leben und in der Technik nichts unmöglich ist, hatte ich bei der Einleitung meiner Zugkraft doch immer irgendwie ein etwas mulmiges Gefühl.

Dann mein zweiter Flug von Michelstadt im Odenwald nach Bensheim an der Bergstraße, zum mehrfach erwähnten Rendezvous mit Tante JU. Flug und Landung haben wie erhofft perfekt geklappt und nach der Landung werde ich zum Abrollen auf die seitliche Abstellposition aufgefordert, wo ich Motor und Elektronik ausschalte, Gurtzeug und Kabinenhaube öffne.

Dann kommt der altbewährte Griff zum Griff, mit dem ich mich wie immer ganz elegant in die Senkrechte hieven will. Gerade ist mein Allerwertester vielleicht 20 cm aus dem Sitz, als mich die Erdbeschleunigung mit voller Wucht und ohne jegliche Vorwarnung in meinen Sitz zurück katapultiert. Ich mag mir überhaupt nicht vorstellen, mit welch blödem Gesichtsausdruck ich mich nach allen Seiten umgeschaut habe. Noch weit blöder muss dann mein "Geschau" wohl ausgesehen haben, als ich in meiner rechten Hand den Ausstiegsgriff bestaunen konnte, der doch nach früherer Aussage des freundlichen Kollegen ganz bestimmt nie reißen wird. Beide Carbonbänder waren sauber abgerissen, fast wie mit einem Cuttermesser abgeschnitten. Nur gut, dass mein Allerwertester zum Zeitpunkt der blitzartigen Rückwärtsbeschleunigung nicht schon weiter oben war, sonst hätte er vermutlich bei der harten Landung die Rückenlehne durchschlagen.

Der folgende Ausstieg aus dem Cockpit war somit nach alter Segelfliegersitte zwar wieder etwas mühevoll, doch war ich dabei zum Glück auf fremde Hilfe nicht angewiesen. Meine beständige Skepsis wurde somit als absolut berechtigt bestätigt, sowie das mir eingeredete "grenzenlose Vertrauen in die unkaputtbaren Carbon-Halteschienen" zutiefst erschüttert. Für die nun anstehende Reparatur musste ich mir somit etwas überlegen, womit sich eine Wiederholung für die Zukunft vermeiden lässt.

Nachdem ich die beiden abgewinkelten Reststücke vom Rumpf abgeschraubt und abgemessen hatte, fertigte ich zwei gleich breite aber je ca. 3 cm längere Teile aus 30 mm x 2 mm Flachalu an, an die ich die abgescherten Carbonschienen mit je zwei 4 mm Schrauben befestigt habe. Zusätzlich habe ich jedoch auf jeder Seite ein Stück Zurrband befestigt, das im Falle eines nochmaligen Reißens der Carbonschienen dann die volle Zuglast übernimmt. Da die Bänder jedoch straff gespannt eingesetzt sind, dürften sie bereits von Anfang an beim Ausstieg auch die Zugkraft des Piloten übernehmen, so dass ich davon ausgehe, dass ich einen weiteren Katapultstart zurück in meinen Sitz wohl nicht erneut erleben muss.

In diesem Zusammenhang würde mich natürlich wieder interessieren, ob dieses überraschende Ereignis auch schon andere Songpiloten "erleben durften", oder ob ich der Erste und bisher Einzige bin mit dieser Erfahrung.
http://UL-Segelflug.de/images/stories/S-Y-E/1702_Wenn_Ausstiegsgriff_zum_Katapult_wird/HT_D-MZKB_Austiegshilfe-Griff-Unterseite.jpghttp://UL-Segelflug.de/images/stories/S-Y-E/1702_Wenn_Ausstiegsgriff_zum_Katapult_wird/HT_D-MZKB_Austiegshilfe-Griff-Oberseite.jpg

Vertrauen in Technik und Material ist zwar gut, doch eine Portion Skepsis und regelmäßige Kontrollen mit kritischem Blick sind in der Technik durchaus angebracht.

Kommentare   

 
#1 Klonner Jochen 2017-09-20 21:30
Na super Klaus,

dem Griff habe ich von Anfang an nicht getraut und gleich mal entsorgt. Bei meinem Gewicht wäre ich vermutlich im Freien gesessen, wenn ich da bei 45° zurückgeplumst wäre. Ich stemme mich immer schön brav aus dem Sitz, gehe deshalb zum Kraftport, damit das auch funktioniert. Nach einem Flug ist man aber immer so gut drauf, da geht es besonders leicht.
Danke für den Tipp mit dem Sporn, meine sind noch heil, aber das Rückwärtsschieben über Hindernisse hat so seine Tücken. Ich bin da immer mit viel Gewicht drauf und setze das Frontrad auch immer auf, dann macht er nur einen Ruck nach rechts oder links, aber Platz muss man schon haben....

Schena Gruaß

Jochen
__________________________________________________________

Hallo Jochen,
danke für deinen Kommentar.
Grundsätzlich halte ich den (Senioren) Ausstiegshilfe-Griff für eine gute Idee. insbesondere für ältere Kollegen, die schwer aus dem Sitz kommen und sonst Hilfe von Dritten beim Ausstieg bräuchten.
Der Vorfall zeigt allerdings auch, dass man sich nicht in blindem Vertrauen mit dem ganzen Körpergewicht an den Griff hängen sollte.
Falls es doch einmal passiert, ist die Reparatur relativ einfach und schnell gemacht. Allerdings würde ich dann jedem empfehlen, zusätzlich solche Zurrbandstücke einzubauen, wie ich es gemacht und gezeigt habe. Empfehlenswert wäre vielleicht auch (bei entsprechender Skepsis), die Bänder bereits vorsorglich einzusetzen, bevor man eine leidvolle Erfahrung macht und der Schaden vielleicht größer wird als in meinem Fall.

Schöne Grüße aus dem Odenwald
Klaus
 

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