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Ich habe verstanden.

Was passiert beim Fliegen?

Veröffentlicht am 12. Mai 2019
Zugriffe: 166

 https://UL-Segelflug.de/images/stories/Buechercke/1906_Was-passiert-beim-Fliegen/TS_Was-passiert-beim-Fliegen_Copyright_Motorbuch-Verlag.jpgDie Zeiten, in denen die Cockpitcrews bei Start und Landung die Cockpittür geöffnet hatten, die sind leider längst vorbei. Aus Sicherheitsgründen wird die Tür vom Anfang bis zum erfolgreichen Ende eines Fluges "einbruchsicher verrammelt". Schließlich hatten potenzielle Flugzeugentführer die offene Cockpittür vielfach für teils dramatische Flugzeugentführungen missbraucht.
Die zu meiner Zeit noch erlaubte und von vielen Passagieren gerne in Anspruch genommene Möglichkeit eines "Cockpit-Besuchs" während des Fluges und einem persönlichen Gespräch mit der Besatzung, die dürfte wohl die überwiegende Mehrzahl der heutigen Passagiere ebenfalls nie erlebt haben.
Und so treiben die im Verlauf eines Fluges hörbaren und unbekannten Geräusche von Hydraulikpumpen, aus- oder einfahrenden Landeklappen oder Fahrwerken, so manchem Passagier immer wieder dicke Schweißperlen auf die Stirn.

Kommen dann zu allem Übel auch noch heftige Turbulenzen, ein furchterregendes Gewitter oder gar noch ein Blitzeinschlag hinzu, dann ist so mancher nach der Landung nicht nur schweißgebadet, sondern verständlicherweise auch heilfroh, dem insgeheim befürchteten Inferno mit knapper Not entronnen zu sein.

Als Passagier ist man in solchen Situationen schließlich von der ersten bis zur letzten Flugminute, erbarmungslos und zu 100% dem Können der Piloten, sowie der Zuverlässigkeit der Technik ausgeliefert. Und da der anno dazumal einigermaßen beruhigende Blick vom Gangsitz aus in das Cockpit heutzutage nicht mehr möglich ist, "versteckt" sich so mancher Passagier in brenzligen Situationen, Gleichgültigkeit und Gelassenheit heuchelnd hinter seiner Tageszeitung, die er mit großem Interesse zu lesen vorgibt.

Aber auch bei einem ganz normalen Flugverlauf gibt es genügend Ereignisse und meist doch ganz banale Vorgänge, die den Puls vieler Passagiere in die Höhe treiben. Bereits ein unvorhersehbarer Startabbruch oder ein erforderlich werdendes Durchstartmanöver, aus welchen Gründen dies auch immer erforderlich wird, sind für viele Passagiere garantierte "Pulsbeschleuniger und Schweißtreiber".

Einmal abgesehen davon, dass ich in jungen Jahren als "Neuling" in der Fliegerei natürlich selbst noch ein gewisses Unbehagen in der engen Flugzeugröhre verspürte, wenn der Flieger plötzlich und völlig unerwartet gewackelt oder die Cockpitcrew ein abruptes Flugmanöver eingeleitet hat, kann ich mich noch sehr gut an zwei Flugerlebnisse erinnern, nach denen ich sozusagen "fertig mit der Welt" war.

Als junger Lufthansa-Techniker war ich zum Lehrgang in Hamburg. Auf dem Rückflug nach Stuttgart in einer B727, saß ich wie fast immer, am Notausgang über der Tragfläche. Die Reiseflughöhe war bereits verlassen und die Maschine befand sich im Sinkflug auf Stuttgart. Dunkle Wolkenfetzen schossen am Kabinenfenster vorbei, als die Maschine in eine geschlossene Wolkendecke eintauchte. Wie nicht anderst zu erwarten, wurde es in diesem Augenblick entsprechend "unruhig". Die B727 fing an zu bocken, was mich aber weiters nicht beunruhigte, weil mehr oder weniger heftig eben normal. Dann war da aber plötzlich ein riesiger Feuerball auf der Tragfläche, direkt vor meinem Kabinenfenster, dem ohne Zeitverzögerung ein ohrenbetäubender Explosionsknall folgte. Im ersten Moment hatte ich gedacht, dass der Flieger auseinanderfliegen würde. Schlagartig war mein Puls in die Höhe geschossen, der vermutlich jedes Pulsmessgerät sofort gesprengt hätte. Nachdem ich mich wieder etwas berappelt und festgestellt hatte, dass sich die Boeing anscheinend doch noch in einem "flug- und steuerfähigen Zustand" befand, kam auch schon die ernüchternde Ansage aus dem Cockpit, dass wir gerade von einem Blitz getroffen worden sind. Wir sollten uns keine Sorgen machen, das Flugzeug sei unbeschädigt geblieben und wir würden in ca. 15 Minuten planmäßig in Stuttgart landen.

Theoretisch war mir von meiner Techniker-Ausbildung her natürlich klar, dass es sich bei der Flugzeugzelle um einen "pharadayschen Käfig" handelt, in dem zumindest den Flugzeuginsassen bei einem Blitzeinschlag in die Kabine keinerlei Gefahr droht. Trotzdem bin ich eine viertel Stunde später mit etwas wackligen Knien aus der B727 ausgestiegen und war heilfroh, dass ich dieses Erlebnis unbeschadet überstanden hatte.

Fünf Jahre später, inzwischen war ich dienstlich sehr oft mit dem Flugzeug unterwegs, mein zweites Horrorerlebnis, bei dem mir der Appetit auf das damals bei Kurzstreckenflügen noch übliche Bordessen verging.

Flug von Genf nach Frankfurt in einer B737. Bestes Flugwetter, ausgezeichnete Fernsicht. Der Flug über die schneebedeckten Alpen musste eigentlich ein ganz besonderes Erlebnis werden. Wurde es natürlich auch, in zweierlei Hinsicht. Mitten über den Alpen ein wahnsinnig schöner Ausblick auf das gesamte Alpenmassiv, sowohl nach Osten als auch nach Westen. In 10.000 m Höhe herrschte strahlender Sonnenschein bei wolkenlosem, dunkelblauem Himmel. Nichts deutete darauf hin, dass ich in Kürze schweißnass gebadet sein könnte. Clear Air-Turbulence vom Allerfeinsten, das nichts mehr mit dem üblichen "Gewackel" zu tun hat. Mit einem Schlag mutierte die B737 vom ruhig dahingleitenden Mauersegler zum wütenden Stier. Essen und Getränke flogen von den Klapptischen und die Flugbegleiter konnten sich mit Mühe und Not auf den nächstbesten freien Sitz flüchten und ihren Getränkewagen festhalten. Wie lange der ganze Spuk letztendlich gedauert hat, konnte ich am Ende allerdings nicht sagen. Gefühlt war es jedenfallsn eine halbe Ewigkeit. Und als ich in Frankfurt mit schlottrigen Knien aus dem Flieger gekrabbelt bin, war ich mir absolut sicher, dass ich die Rückreise nach Genf ganz sicher nicht mit dem Flugzeug, sondern mit der guten alten Eisenbahn antreten würde.

Am Ende meines sechswöchigen Lehrgangs sah die Welt natürlich schon wieder viel besser aus und ich hatte mich physisch wieder stabilisiert. Und selbstverständlich trat ich die Heimreise nach Genf auch wieder im Flugzeug an. Wieder in einer B737 und wieder bei schönstem Sommerwetter. Über den Alpen war ich zwar "auf alles gefasst", doch der Flug verlief vom Start bis zur Landung ohne besondere Ereignisse.

Aus diesen Gründen habe ich auch heute noch vollstes Verständnis für Menschen, die selbst keine Flieger sind, nur selten in ein Flugzeug steigen und dann eine gehörige Portion Angst mit sich herum schleppen und froh sind, wenn der Flieger endlich wieder heil an der Fluggastbrücke des Zielflughafens andockt.

Mathias Gnida, ausgebildeter Verkehrspilot und Flugzeugmechaniker, der in Hamburg Seminare gegen Flugangst anbietet, erklärt in seinem Buch auf verständliche Weise, was Passagiere verängstigt und wie man diesen Ängsten begegnen kann. Wissen was sich hinter der verriegelten Cockpittür im Verlaufe eines Fluges abspielt, was die für manchen Passagier angst- und besorgniserregenden Geräusche im Fahrwerksschacht bedeuten und warum es eben manchmal doch zu ungewöhnlich erscheinenden Flugmanövern kommen kann.

 

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Mathias Gnida
Was passiert beim Fliegen?
100 Fragen - 100 Antworten für Passagiere


Motorbuch-Verlag
ISBN: 978-3-613-04188-2
Titel-Nr.: 04188
Einband: Broschiertes Buch
Seitenzahl: 142
Format: 208 x 144 mm
Erschienen: 25/04/2019
Preis: 19,95 €

   Der Normal-Passagier sitzt zumeist recht eingepfercht im Flugzeug und hat wenig Kenntnisse von den Vorgängen um sich herum. Was bedeuten z.B. die seltsamen Geräusche wenn das Flugzeug vom Gate rollt, warum bilden sich oft »Wolken« beim Start auf den Flügeln und warum biegen diese sich so durch? Können die Türen im Flug nicht versehentlich aufgehen und was passiert eigentlich, wenn ein Triebwerk ausfällt? Auf diese und rund 100 der häufigsten Fragen gibt der ehemalige Pilot und heutige Flugangstcoach Mathias Gnida kurzweilig und doch kompetent Auskunft. Ein Buch für entspannteres Fliegen ohne Angst!

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