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Ich habe verstanden.

Königsklasse Gebirgssegelflug

Veröffentlicht am 15. Juni 2019
Zugriffe: 226

http://UL-Segelflug/images/stories/Buechercke/1908_Faszination-Gebirgssegelflug/TS_D-6300_Alpensegelflug_8599_Copyright_2019-Klaus-Burkhard.jpg Der Alpen- bzw. Gebirgssegelflug ist mit Sicherheit die schönste Variante des Segelflugsports. Selbst hatte ich in den zurückliegenden 50 Jahren meines aktiven Fliegerlebens allerdings nur dreimal das Vergnügen, mit meiner SB5 (D-6300/KB), jeweils ein bis zwei Wochen Fliegerurlaub in Unterwössen zu genießen. Die ersten Flüge in dieser ungewohnten Umgebung, das ständige bodennahe Fliegen knapp über Tannenwipfeln oder blankem Fels, waren für mich als Flachlandflieger allerdings der pure Stress.

Nur ganz langsam konnte ich mich an diese ganz besondere Art der Segelfliegerei gewöhnen, vor der ich von Anfang an gehörigen Respekt hatte und die gleichzeitig eine wahnsinnige Faszination in mir erzeugte. Beneidet habe ich damals die Kameraden, für die UWÖ von Anfang an der Heimatflugplatz war, auf dem sie ihre ersten Schulstarts bereits mit gebirgserfahrenen Fluglehrern durchführen und so ganz selbstverständlich die Geheimnisse und Besonderheiten des alpinen Segelflugs erlernen konnten.

Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, wie ich beim ersten Einweisungsflug am Haushang Schweißausbrüche bekam, als mein Fluglehrer mit den Worten "Lass mich mal, du musst viel näher an den Hang ran", die Ruder übernahm. Intuitiv bin ich in meiner Sitzschale der Ka13 an die Bordwand der felsabgewandten Seite gerutscht, während sich mein Puls schlagartig in schwindelerregende Höhen gesteigert haben muss. Ich war mir sicher, dass wir jeden Augenblick mit der Flächenspitze an der nahen Felswand entlangschrabben und dann sofort mit einer Rolle in den knapp unter unserem Hintern vorbeirauschenden Tannenwipfeln "verschwinden" würden. Zu meinem Erstaunen und meiner übergroßen Freude ist alles aber gut gegangen. Nachdem ich mich langsam an die knapp an der Flächenspitze vorbeiziehenden Felswände gewöhnt hatte, war auch schon der Hangkamm überstiegen und ich hatte endlich wieder "Luft zum Atmen".

Kurze Zeit später dann der nächste Schweißtreiber - Eindrehen in den Queranflug. Wir fliegen direkt auf einen Steinbruch zu, dessen senkrechte Felswand sich auf direktem Kollisionskurs immer größer und furchterregender vor mir aufbaut. Ohne auch nur einen kurzen Seitenblick auf die querab von uns liegende Landebahn 06 zu riskieren, drücke ich den Steuerknüppel nach links und trete in die Seitenruder. Knüppel und Ruder sind jedoch komplett blockiert, so dass die Ka13 unbeeindruckt und zielstrebig auf die immer näher kommende Felswand zuschießt. Meine Hände sind sofort patschnass, Schweiß rinnt mir in Strömen den Buckel herunter. Während ich fest davon überzeugt bin, dass wir in den nächsten Sekunden in der riesigen braunen Felswand vor uns einschlagen werden, kommt vom Rücksitz in bayrischer Bierruhe die Ansage, noch etwas weiter geradeaus zu fliegen. Schlagartig wird mir bewusst, dass die Ruderblockierung nicht an der Technik unseres Flugzeugs liegt, sondern an dem Kerl im Rücksitz hinter mir. Natürlich hatte er mein zu frühes Eindrehen als UWÖ-Neuling erwartet und vermutlich auch mit spitzbübischem Grinsen genossen. Dann war die Ruderblockierung plötzlich beseitigt und ich konnte endlich in den Gegenanflug eindrehen.

Vor meinem zweiten Einweisungsstart musste ich aber erst mal eine längere Pause machen, um mich neu zu erden und die Massen von ausgeschüttetem Adrenalin abzubauen. Nach zwei weiteren Einweisungsflügen hatte ich mich endlich an das hang- und baumwipfelnahe Fliegen gewöhnt. Mein Gefühl für "Flächenabstand zur Felswand" und "Sitzschale zu Tannenwipfeln" war neu kalibriert, so dass ich mit jeder Kehrtwende am Hang ruhiger und gelöster geworden bin. Mit weichendem Stressfaktor hat die Sache langsam immer mehr Spaß gemacht. Nach dem dritten Flug mit Fluglehrer war es dann soweit, dass ich alleine mit meiner SB5 die ersten Hangflüge am Haushang durchführen konnte. Nie zuvor hatte ich Gelegenheit, ausgiebig Hangsegelflug zu betreiben.

Eine weitere mentale Herausforderung war die erste Talquerung zum Hausbart auf der anderen Talseite. "Mit 700 m über Platz kannst du den Haushang verlassen und zum Hausbart auf die andere Talseite fliegen -das passt", haben mir die UWÖ-Kenner zuvor in´s Ohr geflüstert. Natürlich war die Ankunft in 50m Höhe über der Berghütte die nächste spannende Erfahrung, die meinen Puls erneut in die Höhe trieb. Mit so geringer Höhe über Boden bin ich meinen Lebtag noch nie in die Thermik eingekreist. Knapp über der Berghütte angekommen, hat mich der Hausbart mit 2 Steigmetern freundschaftlich begrüßt. Genau so, wie von UWÖ-Aborigines vorhergesagt.

http://UL-Segelflug.de/images/stories/Buechercke/1908_Faszination-Gebirgssegelflug/GT_D-6300_Alpensegelflug_5677_Copyright-2017-Klaus-Burkhard.jpg

Talquerung vom Haushang zum Hausbart, rechts der Steinbruch im Queranflug, links Landebahn 06

Im weiteren Verlauf des 10-tägigen Fliegerurlaubs konnte ich mich langsam aber beständig an die hang- und bodennahe Gebirgsfliegerei gewöhnen und mich dabei auch vorsichtig immer weiter vom Flugplatz lösen. Größere Streckenflüge <100 km habe ich weder in diesem ersten UWÖ-Urlaub allerdings nur einen (148 km) geschafft. Mein Respekt vor den vielen mir unbekannten Bergmassiven war einfach viel zu groß, als dass ich mich waghalsig in ein größeres Streckenabenteuer gewagt hätte. Wahrscheinlich hat auch mein damaliges Alter von 60 Jahren dazu beigetragen, immer auf Nummer Sicher zu gehen und nichts zu riskieren.

Auch ein dritter UWÖ-Urlaub im Jahr 2008 hat an meiner vorsichtigen Flugweise und an meinem Respekt vor den Bergen nichts geändert. Allerdings hatte ich bei diesem Fliegerurlaub das große Vergnügen, zusammen mit meinem Fliegerkameraden und SB5-Halter Martin Müller, zwei wunderschöne Genuss-Streckenflüge von 126 km und 179 km zu unternehmen, bei denen ich mich voll und ganz auf die Orts- und Gebirgskenntnisse meines "Rottenführers" verlassen konnte. Ich konnte ihm blind vertrauen, ihm einfach in aller Seelenruhe hinterher fliegen und die Faszination der Alpen von oben in vollen Zügen genießen.

Wenn ich heute in den Büchern von Jochen von Kalckreuth lese, und in seinen spannenden wie lehrreichen Erzählungen seiner Alpenflugerlebnisse der frühen Alpen-Segelfliegerei versinke, dann durchlebe ich auch meine eigenen Alpenflüge immer wieder neu. Mit seinem blumigen und überaus spannenden Schreibstil gelingt es dem Autor, seine Leser mit in sein Cockpit zu nehmen und jedes einzelne Teilstück seiner Flüge mit zu erleben. Seine Bücher sind somit aus meiner Sicht ein absolutes MUSS für jeden Segelflieger.

Jochen von Kalckreuth war und ist einer der bekanntesten deutschen Alpensegelflieger, der im Laufe seiner langjährigen Segelflugkarriere mehrere deutsche Langstrecken- und Alpenrekorde erzielte. In seiner Freizeit nutzte er jede freie Minute zum Flugtraining und zum Leistungssegelflug zwischen Mont Blanc und Großglockner, Marmolata und Wildem Kaiser. Sein Erfolgsgeheimnis war sein wissenschaftliches und intuitives Begreifen der atmosphärischen Vorgänge und Wetterentwicklungen um ihn herum und vorausschauend auf seinem geplanten Flugweg. Seine Fähigkeit für das Aufspüren und Nutzen thermischer Aufwinde einerseits, sowie dem rechtzeitigen Verlassen der abflauenden Thermik und dem Übergang in einen rasanten Streckenflug andererseits, machten ihn zu einem Meister des alpinen Streckensegelflugs.

Mit meinen eigenen, nur wenigen und kleinen Alpen-Segelflugerlebnissen bin ich persönlich sehr zufrieden und überaus dankbar, dass ich diese Erfahrungen machen durfte und alle Flüge unbeschadet zu Ende bringen konnte. Leider haben in der Vergangenheit zu viele Flieger ihre Leidenschaft mit ihrem Leben bezahlt. Und es waren nicht nur Alpenflug-Neulinge, sondern auch gestandene, sehr gebirgsflugerfahrene und namhafte Piloten darunter. Selbst einem begnadeten und talentierten Gebirgsflieger wie Jochen von Kalckreuth ist dieses Schicksal nicht erspart geblieben. Er starb beim Absturz mit seinem Kestrel in Krün bei Mittenwald am 04. Mai 1977, im Alter von nur 45 Jahren. Ein Föhnsturm zertrümmerte seinen Kestrel "Orion" über dem Karwendel, wobei die genaue Ursache sowie der eigentliche Unfallhergang nie zweifelsfrei geklärt werden konnte.

Auch die Neuerscheinung von Helmut Lindpointner mit dem Titel Faszination Gebirgssegelflug, sollte in der Büchersammlung von Strecken-Segelfliegern genau so wenig fehlen, wie das von Henry Blum bereits in 2017 veröffentlichte Buch Meteorologie für Segelflieger.

https://UL-Segelflug.de/images/stories/Buechercke/1908_Faszination-Gebirgssegelflug/TS_Segeln-ueber-den-Alpen_Copyright_Motorbuch-Verlag.jpg

Jochen von Kalckreuth
Segeln über den Alpen
Erlebnis und Technik des Hochgebirgsfluges


Motorbuch-Verlag
ISBN: 978-3-613-03815-8
Titel-Nr.: 03815
Einband: Gebundenes Buch
Seitenzahl: 284
Format: 240 x 170 mm
Erschienen: 2015
Preis: 19,95 €  (Spezialpreis)

  Jochen von Kalckreuth beschreibt hier nicht nur seine lautlosen Flüge über die Alpen, seine einsamen Stunden zwischen Firneis und endlosen Horizonten, sondern er vermittelt in diesem Band auch grundlegende und nach wie vor gültige Techniken, die in dieser schönen aber harschen Umgebung für den Segelflieger unerlässlich sind. Das Buch zählt auch in der heutigen Zeit noch zu den absoluten Klassikern der Segelflugliteratur, auch wenn es sich bei den zahlreichen Fotografien, der damaligen Zeit und Fototechnik entsprechend, ausnahmslos um Schwarzweiß-Bilder handelt.

https://UL-Segelflug.de/images/stories/Buechercke/1908_Faszination-Gebirgssegelflug/TS_Das-stille-Abenteuer_Copyright_Motorbuch-Verlag.jpg

Jochen von Kalckreuth
Das stille Abenteuer
Erlebnisse und Begegnungen eines Alpenfliegers


Motorbuch-Verlag
ISBN: 978-3-613-03325-2
Titel-Nr.: 03325
Einband: Gebundenes Buch
Seitenzahl: 284
Format: 240 x 170 mm
Erschienen: 2013
Preis: 14,95 €  (Spezialpreis)

  In einer fesselnden Mischung aus Erfahrungsbericht, Erzählung und sportlichen Fakten, protokolliert Jochen von Kalckreuth nicht nur seine fliegerische Entwicklung vom ersten Schulstart bis zum seinerzeit längsten Thermikflug der Welt, sondern ermöglicht auch einen faszinierenden Einblick in die Art des "stillen" Fliegens.

https://UL-Segelflug.de/images/stories/Buechercke/1908_Faszination-Gebirgssegelflug/TS_Faszination-Gebirgssegelflug_Copyright_Motorbuch-Verlag.jpg

Helmut Lindpointner
Faszination Gebirgssegelflug
Geschichten-Voraussetzungen-Tipps


Motorbuch-Verlag
ISBN: 978-3-613-04191-2
Titel-Nr.: 04191
Einband: Gebundenes Buch
Seitenzahl: 191
Format: 271 x 235 mm
Erschienen: 29/03/2019
Preis: 29,90 €

  Dieser Band - geschrieben von einem Segelflieger mit jahrzehntelanger Erfahrung (u.a. ehem. Mitglied der österreichischen Segelflug-Nationalmannschaft und Präsident des Vereins der österreichischen Nationalmannschaft) - ist kein trockenes Lehrbuch sondern vermittelt die Faszination des Segel- und Gebirgssegelflugs auch Menschen, die sich vielleicht zunächst nur für die Segelfliegerei interessieren. Einerseits werden alle Ausbildungsthemen umrissen, andererseits wird die Faszination dieser einzigartigen Sportart vermittelt, in der Pilot und Flugzeug in traumhafter Umgebung zu einer Einheit werden.

http://UL-Segelflug.de/images/stories/Buechercke/1908_Faszination-Gebirgssegelflug/TS_Meteorologie-fuer-Segelflieger_Copyright_Motorbuch-Verlag.jpg

Henry Blum
Meteorologie für Segelflieger


Motorbuch-Verlag
ISBN: 978-3-613-04022-9
Titel-Nr.: 04022
Einband: Gebundenes Buch
Seitenzahl: 416
Format: 246 x 174 mm
Erschienen: 26/10/2017
Preis: 39,90 €

  Für kaum eine andere Gruppe von Piloten ist das Wetter und das entsprechende Wissen darüber so entscheidend wie für Segelflieger. Kann ein Motorflieger kritisches Wetter kurzerhand um- oder überfliegen, muss ein Segelflieger sich damit arrangieren und ganz anders auseinandersetzen. Doch Wetter bedeutet nicht automatisch nur Gefahr - wer das Wettergeschehen richtig "lesen" kann, der ist auch im Falle von wettbewerbsmäßigem Segelflug besser aufgestellt. Diese Neuauflage wurde u.a. im Gesamtbereich Thermik nochmal erheblich erweitert und darf mit Fug und Recht als absolutes Standardwerk gelten.

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