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Schneewittchen erwacht langsam zum Leben

Veröffentlicht am 26. September 2015
Zugriffe: 5415

http://UL-Segelflug.de/images/TS_Schneewittchen-Grossmodell.jpgSo -oder fast so- wird Schneewittchen einmal aussehen, wenn es als UL-Motorsegler das Licht der Welt erblickt. Bei Schneewittchen SW-1 handelt es sich um einen Horten-Flügel, der von Dr. Andrés Chavarría-Krauser konstruiert und als Großmodell für seine Flugversuche bereits gebaut worden ist. Zwischenzeitlich sind die Flugversuche weitestgehend abgeschlossen und Andrés ist mit seinem Bauvorhaben eines 120 kg-Klasse Motorseglers zwischenzeitlich bereits in die dritte Bauphase eingetreten. Und dabei geht er die ganze Sache selbstverständlich ganz akribisch und nach wissenschaftlichen Überlegungen an:

1. Bau eines originalgetreuen, ferngesteuerten Großmodells im Maßstab 1:4
2. Bau von Versuchsteilen
3. Bau eines Mockups um Maßstab 1:1
4. Bau des flugfähigen und manntragenden Originals

Bei der Bauweise handelt es sich um eine Rippenfläche in gemischter CFK- & Holzbauweise.

http://UL-Segelflug.de/images/HT_Schneewittchen_Dreiseitenriss_Copyright_Dr-Andres_Chavarria-Krauser.jpghttp://UL-Segelflug.de/images/GT_Schneewittchen_Grossmodell_Flugerprobung_0645.jpgSchneewittchen SW-1 bei der Flugerprobung des Großmodells im Maßstab 1:4, geflogen vom Konstrukteur Dr. Andrés Chavarria-Krauser

In "voller Größe" wird Schneewittchen einmal eine Spannweite von 12,5 m, ein Leergewicht von 103 kg, ein maximales Abfluggewicht von 240 kg, eine Gleitzahl von 25 bei 82 km/h, ein geringstes Sinken von 0,78 m/s bei 65 km/h sowie eine Minimalgeschwin-digkeit (Vs) von 54 km/h haben.
Um vom üblichen Segelflug-Schleppbetrieb unabhängig zu sein, ist außerdem ein Geiger HPD10-Elektroantrieb mit H25K-Propeller vorgesehen, der Schneewittchen eine Horizontalgeschwindigkeit von 110 km/h mit 5,3 kW, eine Reisegeschwindigkeit von 74 km/h mit 2,6 kW, sowie eine Steigrate von 1,95 m/s bei 68 km/h verleihen soll.

Inzwischen ist auch die Phase 2, also der Bau diverser Proberippen und anderer Versuchsteile aus Holz und Carbon abgeschlossen, so dass Andrés jetzt bereits mit dem nächsten Bau- bzw. Entwicklungsschritt beschäftigt ist: Dem Bau eines Mockups im Maßstab 1:1.

Und so sieht das Mockup des Flügel-Mittelstücks im Maßstab 1:1 inzwischen aus, in dem sich auch das Cockpit befinden wird. Und obwohl es wegen der Perspektive nicht sofort zu sehen ist, hat auch das Flügelmittelstück eine gewölbte Profilform, die ihren Beitrag zum Gesamtauftrieb des Horten-Flügels leisten wird. Das Profil wurde von Andrés selbst entwickelt und bereits in mehreren Großmodellen ausgiebig erprobt. "Dabei handelt es sich um ein semi-laminar Profil mit ca. 40% laminarer Laufstrecke, wodurch der Umschlagpunkt bei hohem Anstellwinkel brav nach vorne wandert und der Strömungsabriss sehr gutmütig ist" erläutert Andrés sein Profil.

http://UL-Segelflug.de/images/GT_Schneewittchen_Mockup-Mittelstueck_Copyright_Dr_Andres_Chavarria-Krauser_P1050639.jpghttp://UL-Segelflug.de/images/GT_Schneewittchen_Mockup-Sitzprobe_Copyright_Dr_Andres_Chavarria-Krauser_p1050275_m.jpg

Den ganzen zusätzlichen Aufwand für ein Mockup im Maßstab 1:1 betreibt Andrés natürlich nicht aus "Jux und Dollerei", sondern aus recht pragmatischen Gründen. Andrés ist der Auffassung, dass Technische Zeichnungen zwar dafür angefertigt werden um Maschinen zu bauen, nicht jedoch für die Interaktion zwischen Mensch und Maschine.

Für eine Flugzeugkonstruktion lautet nach Ansicht von Andrés die wohl schwierigste Frage: "Wie passt der Pilot in das Flugzeug? Fühlt er sich im Cockpit über mehrere Stunden wohl? Ist die Sitzposition o.k.? Hat er problemlos Zugang zu allen Instrumenten und Bedieneinheiten? Last but not least - Wie sind die Sichtverhältnisse?"

Und um diese Fragen vorab eingehend abzuklären, wurde eigens das Mockup des Flügelmittelstücks mit Cockpit gebaut, in dem dann mehrere Personen "Probesitzen" und ihre Eindrücke äußern können oder sollen. Klar, dass dabei auch die Ehefrau zum Einsatz kommt.

http://UL-Segelflug.de/images/GT_Schneewittchen_Mockup-Sitzprobe_Copyright_Dr_Andres_Chavarria-Krauser_p1050672_s.jpg

http://UL-Segelflug.de/images/GT_Schneewittchen_Mockup_Cockpitcontour_Copyright_Dr_Andres_Chavarria-Krauser_p1050723_s.jpg

In einem weiteren Schritt wurde im Mockup auch die äußere Cockpitcontour angebracht, was die Sitzfreiheit weiter einschränkt und der Realität des späteren Originals ein weiteres Stück näher kommt.

Interessant ist auch die Teilung des Flügels in fünf Segmente, wobei die Segmentierung das Leergewicht von Schneewittchen in die Höhe treiben wird, was man bei 120 kg-Konstruktionen eigentlich vermeiden möchte. Auf Grund der Transportierbarkeit kann auf eine Segmentierung jedoch meist nicht verzichtet werden, wobei das dabei entstehende zusätzliche Gewicht an anderer Stelle wieder eingespart werden muss. Wie bei Horten-Originalen, so würde sich natürlich auch bei der SW-1 eine Segmentierung in drei Einzelsegmente anbieten, nämlich 1 Rumpf- bzw. Flächen-Mittelstück sowie 2 Tragflächenhälften.

http://UL-Segelflug.de/images/GT_Schneewittchen_Transport-Teilung_Copyright_Dr_Andres_Chavarria-Krauser.jpg

Die Überlegung, von der sonst üblichen Dreier-Segmentierung abzuweichen und sich für eine Fünfer-Segmentierung zu entscheiden, hat ganz pragmatische Gründe. Die Größe (Länge) der Andrés zur Verfügung stehenden Werkstatträume lassen lediglich eine Baulänge von maximal 5 m zu.

Ein äußerst interessantes ULSF-Projekt, das UL-Segelflug.de auch in Zukunft weiter verfolgen und darüber berichten wird.

(Siehe auch Blog zu ULSF-Nurflügelprojekten)

Übrigens können die weiteren Baufortschritte zeitnah und detailliert auch im neuen Webblog von Andrés mitverfolgt und kommentiert werden, der allerdings in englischer Sprache veröffentlicht ist.

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